Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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wiſſen ſehr gut das Material zu würdigen, das ihrer Wiſſenſ<aft aus 
den Realſhulabiturienten zufließt. Wir können daher dieſes wohl 
genügend erörterte Gebiet endlich verlaſſen und uns dem folgenden 
Saße zuwenden, bei dem wir auf's Neue Veranlaſſung haben werden, 
die Sachlichkeit unſerer Gegner zu prüfen. Au< für die Widerlegung 
dieſes Saßes iſt im Vorigen ſchon ſo Vieles beigebrac<t, daß wir uns 
kurz faſſen könnten, wenn ni<t ein Theil unſerer Gegner in der fol- 
- genden Behauptung grade ein leßte8 ſtarkes Bollwerk für die Erhal- 
tung der Privilegien des Gymnaſium3 gefunden zu haben glaubte. 
VII. Gegen die Zulaſſung der Realſ<hulabiturienten 
zum Studium der Medicin ſprächen au die poſitiven 
Erfahrungen, welche die Concurrenzfähigkeit der Real- 
ſchüler mit den Gymnaſiaſten nicht einmal auf dem teh- 
niſchen, geſ<weige denn auf den wiſſenſ<haftli<hen Ge- 
bieten erwieſen hätten. 
Ehe wir zur Widerlegung dieſer Behanptung ſchreiten, müſſen wir 
gegen zweierlei entſchieden Verwahrung einlegen, einmal, daß man 
fortwährend Erfahrungen gegen uns geltend macht, die auf falſchen 
Vorausſekzungen beruhen, uns nämlich verantwortlih macht für Lei- 
ſtungen von Schülern, wel<he gar ni<t unſre Schüler geweſen ſind, 
d. h. "ihre Schulbildung gar nicht der Realſhule 1. Ordn. vom 
6. October 1859 verdanken, die erſt Ende der 60er Jahre überhaupt 
Abiturienten, erſt 1871 ſolhe zur Univerſität liefern konnte. Zwei- 
ten8 aber müſſen wir proteſtiren gegen die Jmputation, die man ſich 
offen auszuſprehen ſcheut, die aber immer und immer wieder zwiſchen 
den Zeilen unſerer Gegner zu leſen iſt, daß der Unterrimt an der 
Realſ<ule, ſei e8 aus welhen Rückſioten immer, unwiſſenſchaftli< 
ertheilt werde, und daß des8halb die Erfolge weit hinter den Ver- 
ſprehungen zurückblieben. So lieſt man bei Lothar Meyer *): „Sie 
(die Realſchulen) wollen nic<t nur für die Ho<ſc<hule vorbereiten, ſon- 
dern zugleich dieſe erſeßen, indem ſie jungen Leuten, die keine höheren 
Studien beabſichtigen, eine dürftige für man<e Zwede der Praxis 
allenfal8 ausreihende mathematiſ<-naturwiſſenſ<aftlihe Ausbildung 
geben“. Wenn Lothar Meyer mit den Realſchulen, deren einer er ja 
ſeine erſte Schulbildung verdankt **), wirklih Fühlung behalten und 
*) Die Zukunft der deutſ<en Hochſchulen und ihrer Vorbildungsanſtalten pg. 35. 
3X) 106. eit. pg.48. Wir ſind Meyer für die Mittheilung, daß er ſpäter 
das Gymnaſium, anfangs eine höhere Bürgerſchule beſucht, und an dieſer unter
	        

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