Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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ſchülern bemerkt zu haben glaubt, hat nah ihm darin ſeinen Grund, 
daß ihr Intereſſe an dem Gegenſtande, weil ſie auf der Univerſität 
nichts Neues zu finden meinen, ſehr häufig bald nahlaſſe. Nun, da 
ſind wir ja glüdlic< wieder bei dem Schluſſe angelangt, den wir bereits 
oben aus8geſprohen, daß manche Profeſſoren ſiHh nicht darein finden 
können, einen Unterſ<hied zu machen zwiſchen Studenten, die bereit3 
ein gewiſſes Maß von naturwiſſenſhaftlihen Kenntniſſen mitbringen 
und ſolhen, denen Alles neu iſt; ebenſowenig aber die (pädagogiſche) 
Gabe zu beſitzen ſcheinen, ihren Schülern, wo e8 nothwendig ſein ſollte, 
zu dem ſokratiſchen Bewußtſein des Nichtwiſſens zu verhelfen. Daß 
unter den früheren Gymnaſiaſten verhältnißmäßig mehr fähige, d. hb. 
über da8 Durchſ<hnitt8maß befähigte Köpfe, alſo auc< mehr ſol<e ſein 
mögen, die ſi< unter Anleitung ihres Brofeſſors mit Erfolg an die 
Löſung wiſſenſ<haftlicher Probleme wagen können, iſt uns von vorn- 
herein wahrſcheinli<; es iſt das, wie wir bereits oben auzeinander- 
geſeßt haben, die einfache Folge der privilegirten Stellung des Gym- 
naſiums. Wenn troß des Umſtandes, daß die talentvollen Schüler 
ſim vorzugsweiſe dem Gymnaſium zuwenden, die früheren Realſchüler, 
ſoweit es ſi< nur um ordentliche, niht um außerordentliche Leiſtungen 
handelt, mit den früheren Gymnaſiaſten auf dem gemeinſamen Studien- 
gebiete erfolgreich concurriren können, ſo iſt das der beſte Beweis für 
die Güte ihrer Schulbildung und berechtigt die Realſchule zu den beſten 
Hoffnungen für die Zeit, wenn erſt Luft und Licht zwiſchen ihr und 
dem Gymnaſium gleich vertheilt ſein werden. Hiermit haben wir nun 
auch den richtigen Standpunkt für die Würdigung der gegneriſchen 
Realſhulbildung aus dem Mangel an philoſophiſ<hem Jntereſſe einen beſonderen 
Vorwurf zu machen. Zm Uebrigen zweifeln wir nicht, daß die ſih dem Uni- 
verſitätsſtudium widmenden Realſchulabiturienten durc< die ſtreng wiſſenſc<aft- 
lihe Behandlung der Sculdisciplinen das Intereſſe für die philoſophiſche 
Grundlage zunächſt ihrer Fachwiſſenſchaft in höherem Maße gewonnen haben als 
zur Zeit die Medicin ſtudirenden Gymnaſiaſten, von deren philoſophiſchem 
Intereſſe die betreffenden Docenten wohl wenig zu berichten haben werden. Die 
Keime jenes Intereſſes über den engen Kreis der Fachwiſſenſ<haft hinaus zu 
entwideln, ſcheint uns eine vielleicht ſ<wierige, aber nicht ausſicht8loſe Aufgabe 
der Docenten der Philoſophie zu ſein, deren Vorleſungen für die ſich dem Lehr- 
fach widmenden Realſchüler ſhon wegen de8 Staatsexamens8 nicht zu umgehen 
ſind. Die Richtung, welche die Philoſophie in den letzten Jahrzehnten genom- 
men, bedingt ja ohnehin eine Annäherung an die exacten Wiſſenſchaften, und 
ſo kann es an Anknüpfungspunkten zwiſchen einem philoſophiſchen Docenten und 
ſeinen Realſchulbildung mitbringenden Zuhörern wohl nicht fehlen.
	        

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