Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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zum Theil, wie in Bezug auf die Eiſenbahnen, iſt Riehl au<ß dur< 
die neuere Entwikelung der Cultur überholt. Vor Allem leidet ſeine 
Darſtellung in hohem Maße an Uebertreibung. Nicht im mindeſten 
wird er dabei der reichen Gliederung Mitteldeutſ<hland3 gerec<ht. Ferner 
verfennt er ganz die übereinſtimmenden Züge im Charakter der ſüd- 
deutſchen Landſc<aft und ihrer Bewohner, der Alemannen, Schwaben, 
Baiern und Deſterreicher, während er andrerſeits für den himmelweiten 
Unterſchied zwiſc<en Alpen und Norddeutſ<er Tiefebene, zwiſchen Aelpler 
und norddeutſchem Bauern kaum ein Auge hat. Der geſunde Stamm 
der Riehlji<en Betrachtungen beſteht weſentlih nur darin, daß ſich 
zwiſchen der Norddeutſchen Tiefebene und der Sc<hwäbiſc<-Bairiſchen 
Hochebene, zum Theil weil jie Ebenen ſind, überraſchende Aehnlich- 
keiten finden, und daß die großſtaatliche Bildung Preußens und Deſter- 
reichs, die aber nur zum Theil in phyſiſchen Verhältniſſen begründet 
iſt, jenen Ländern eigene kraftvolle, mehr conſervative Züge eingeprägt 
hat, die hinwiederum zum Theil auch dur< den Boden begünſtigt 
ſind, obgleich Oeſterreih, Land und Volk, viel ſtärker individualiſirt 
iſt als Altpreußen. Daß aber die Riehlſhen Jdeen ſo üppig in's 
Kraut geſchoſſen ſind, erklärt ſich wohl daraus, daß ſie theils ein 
ſcharfer Ausdru> ſeiner conſervativen Geſinnung, theils zu einer Zeit 
entſtanden ſind, da die Trias8idee beſonders im Schwunge war. Zu 
dieſer ſollten ſie wohl eine Art geographiſc<her Baſi3 bilden. 
Die angemeſſenſte Gliederung de8 Deutſchen Mittelgebirgslandes 
ergiebt ſim namentliß aus einer Combination einer guten geologiſchen 
Karte, wie der von Dechen'ſhen, und einer guten orographijc<hen, 
Sie findet ſich dort zum Theil wie mit greifbarer Deutlichkeit einge- 
tragen. Und es iſt die Frage dieſer Gliederung keine pedantiſc<he, da doh 
unbeſtreitbar Gruppen vorhanden ſind, die zur Gliederung aufſordern, 
und jeder, der die Geographie wiſſenſchaftlich auffaßt, daher auch zu 
einer wiſſenſ<haftlichen Behandlung dieſer Frage genöthigt iſt. 
Nach orographiſhen und geologiſ<en Gründen glaube im nun 
zunächſt an der Eintheilung in drei von S. nah N. aufeinander 
folgende Regionen feſthalten zu dürfen. Dieſe Eintheilung iſt 
zunächſt ſhon durch die mittlere Erhebung begründet : das Land fällt 
nach N. hin ab. Die ſubalpine Stufe zwiſchen Alpen, Jura und 
Donau iſt im Ganzen die höchſte und bildet alſo eine Oberſtufe, Die 
Schweizer Hochebene iſt z. B. im Ganzen ca. 450 m., die Bairiſch- 
Schwäbiſche ca, 500 m. ho9, Die mittlere Region, die bis zu
	        

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