Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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doch ſcheint mir gerade die Verbindung der Stereometrie, genauer ge- 
ſprochen des Theils derſelben, der über Grade und Ebenen handelt, 
mit der darſtellenden Geometrie von der größten Bedeutung für den 
Erfolg des Unterrichts in jedem dieſer Fächer. Jene ſtereometriſchen 
Säße nämlich gewinnen ein rechtes Intereſſe erſt dur< die Anwen- 
dung derſelben, und durc< ihre ſtete Verwerthung in anderen Fächern 
erhalten die Schüler eine innere Anſchauung von den Ebenenſäßen, 
wie ich ſie kurz nennen will, und ein Verſtändniß für ihre Bedeutung, 
während die Säße ohne eine ſol<e Anwendung bald der Vergeſſenheit 
anheimfallen. Andererſeits wird aber der Schüler, wenn die Beiſpiele 
zur Beſchäftigung mit der Stereometrie aus der darſtellenden Geometrie 
(der Perſpektive, der Kriſtaliographie, der mathematiſchen Geographie 
u. ſ. w.) und die Beiſpiele zur Einübung der Säße über geneigte 
GEinien, die durch | Linien geſchnitten werden, aus der Lehre von der 
Berſpektive u. ſ. w. genommen werden, mit den Grundanſ<auungen 
dieſer letzteren Fächer völlig vertraut. Dann ſcheint mir aber auch 
in den Fällen, iwo bei der Beſchaffung des Vebungöſtoff8s die Wahl 
zwiſchen einem an ſi werthloſen und einem werthvollen Stoffe frei- 
ſteht, die Entſcheidung nicht zweifelhaft jein zu können. Dieſe ſtete 
Verbindung der Unterrichtsfächer miteinander kann auch ganz weſentlich 
zur Vereinfachung der Lehrpläne beitragen. Bei dem einen Fache kanu 
eine derartige Beſchäftigung mit demſelben ausSreichen, um es ſpäterhin 
als beſonderen Unterricht8gegeuſtand nicht wieder erſcheinen zu laſſen. 
Bei einem andern wird vem ſpäteren zuſammenhängenden Unterricht in 
demſelben durch ſeine Verwerthung an geeigneter Stelle vorgearbeitet. 
Der Unterricht kann dann ſpäter an Bekanntes anknüpfen und raſcher 
vorwärts ſc<hreiten. 
Wenn die Aufgaben zur Befeſtigung der Ebenenſäte bis jeht nur 
verhältnißmäßig ſelten aus der darſtellenden Geometrie und aus der 
Lehre von der Perſpektive genommen worden ſind, jo liegt das zum 
Theil an den Univerſitätslehrern, welhe in ihren Vorleſungen die 
Bedürfniſſe der Schule nur allzuwenig berüſichtigt haben. Zu meiner 
Zeit wurde in Bonn die darſtellende Geometrie gewöhnlich nicht 
gelehrt; nur auf beſonder8 ihm aus8gedrückte Wünſc<he hin hielt 
Prof. Beer Vorträge darüber. Soviel ich von jüngern Lehrern ver- 
nommen habe, die an verſchiedenen deutſchen Hohſ<hulen ihre Studien 
gemacht hatten, wird auch heute die darſtellende Geometrie an manchen 
Univerſitäten noh nicht gelehrt, Einem jungen Manne, der Mathematil
	        

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