Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

 
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gegangen; daß aber auch hier noh das u in je regus Bindevocal, 
das u in regu Endung ſein ſoll (S. 43), iſt allerdings nicht zu 
billigen. Auc< die Conſtructionen eroi-us == erus, plais-us =- 
plus u. dgl. halten wir nict für richtig, aber wir mißbilligen ſie 
auc< aus pädagogiſ<en Gründen ; Steinbart wollte damit nicht ſagen, 
daß derartige Formen je einmal beſtanden hätten. Damit fällt der 
Werth mancher Lautgeſeße, wie ſie Steinbart in Anhang I1 (in zweiter 
Auflage da und dort geändert) gibt, weg. Es bleibt für das Buc< 
aber das Lob einer ſelbſtändigen methodiſ<en Arbeit, die zur Klärung 
mancher ſchwierigeren Abſchnitte der Grammatik ihren ſhäßzenswerthen 
Beitrag gegeben hat. 
U. 
Eine vorzüglich eſoteriſ<e Behandlung erfordert die ſyſte- 
matiſhe Grammatik. Zhr Ziel iſt e3, den hiſtoriſm gewordenen 
und conventionell fixirten Spra<horgani8mus ſo darzuſtellen, daß die 
Thätigkeit ſeiner Organe d. i. die Verwendung der ausgebildeten 
Formen als Ausdru> der ſprachlihen Anſchauung der betreffenden 
ſprachlichen Periode eriheine. Wo man Spradunterri<t nur aus 
praktiſchen Gründen treibt, kann dieſe Behandlung überflüſſig ſcheinen, 
wo eine derartige Sprachauffaſſung dem geiſtigen Standpunkte der 
Schüler vorgreift, kann man eine „Vorſchule“, einen „methodiſchen 
Vorkur3" oder dergl. der ſyſtematiſchen Behandlung vorangehen laſſen : 
in der rein unterrichtenden Schule muß die ſyſtematiſche 
Betrachtung jeder zur Behandlung kommenden Sprache einmal Plat 
finden. Dabei ſoll aber nicht die Forderung erhoben werden, daß 
unter allen Umſtänden die ſyſtematiſ<he Grammatik als ein 
Ganzes von A bis Z durchgelernt werden müſſe; denn dieſe beiden 
Forderungen de>en ſich nicht. Das Syſtem muß in erſter Linie in 
der Darſtellung des Lehrers, in zweiter in der des Lehrbuches erſichtlich 
werden. 
Seit Mäßner iſt für die ſyſtematiſ<he franzöſiſ<e Grammatik 
wenig geſ<ehen. Um ſo werthvoller erſcheint nun die dritte Auflage 
von B. Shmiß' „franzöſiſher Grammatik“,*) welche von 
der zweiten (1867) ſich allerdings nur wenig unterſcheidet. Die Vor- 
züge der Shmiß'ſhen Grammatik ſind eine tiefere Auffaſſung der 
*) Berlin 1876, G, Reimer.
	        

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