Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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und des <emiſchen Verhaltens der wichtigſten Verbindung8gruppen, der 
Baſen, Säuren, Salze und anderes, Einer der erſten Verſuche iſt gewöhnlich 
die Darſtellung von Sauerſtoff aus Hlorſaurem Kali, eine der einfachſten 
Umſeßungen ; aber wie kann ein Schüler den Prozeß verſtehen, der weder 
Chlor, no< Kalium, no< Chlorkalium oder <lorſaures Kali kennt, und 
den Sauerſtoff eben kennen lernen ſoll? Bei anderer Anordnung findet 
man ganz im Anfange die Darſtellung des Chlors aus Kochſalz, Braun- 
ſtein und Schwefelſäure, eine Umſezung, die unverſtändlich bleiben muß, 
ſo lange, um nur eins hervorzuheben, die Eigenſ<haften des Sauerſtoffs 
unbekannt ſind, ein Prozeß in der That, bei wel<em lauter Stoſſe von 
unbekannter Zuſammenſeßung und unbekannten Eigenſ<haften zujammen- 
wirken, um lauter unbekannte Stoffe neu zu liefern. =- Bei der 
üblichen Methode giebt jeder Abſchnitt nur Reſultate, zuſammengeſtellte 
Bruchſtü>e vieler Unterſuchungen und Beobachtungen; der Weg, wie 
dieſe Reſultate gewonnen ſind, der Gedanke, ob falſch oder re<ht, der 
den Unterſuhenden leitete, bleibt volkommen verborgen. Somit können 
auch die Geſeßze, welche den Gedankengang de8 Unterſucher3 beherrſch- 
ten, die Hülfsmittel, deren er ſich bediente, um zu Reſultaten zu ge- 
langen und ſie unzweifelhaft feſtzuſtellen, nicht hervortreten. Darin 
aber würde gerade das „allgemein“ bildende Moment beim Unterrichte 
liegen. 
Den Uebelſtänden, welche die von den Univerſitäten =- wo es ſich 
um andere Ziele handelt --- überkommene Weiſe des <emiſchen Unter- 
richts mit ſi< bringt, iſt wohl Arendt in ſeiner Abhandlung über den 
Unterricht in der Chemie (Klinkhardt, Leipzig 1867), ſowie in ſeinen 
Lehrbüchern (Voß, Leipzig 1868 und 1876) zuerſt entgegengetreten. 
Ihm ſchließen ſich die meiſten ſpäter erſchienenen Schulbücher, ſofern 
ſie überhaupt den Negeln der Methodik Rechnung zu tragen beabſich- 
tigen, mehr oder weniger eng an. Nicht die <hemiſ<en Elemente 
bilden die Hauptabſchnitte de8 Lehrganges, ſondern die Reactionen, 
und die Elemente ſowie deren Verbindungen werden ihnen unter- 
geordnet. „Mit den einfachſten Reactionen muß begonnen werden, 
gleichgültig wel<he Elemente ſim daran betheiligen; hieran joll der 
Schüler zunächſt erfahren, was man überhaupt unter <Iemiſ<er Neac- 
tion verſteht, was eine <emiſ<e Verbindung und Zerſezung iſt. Dann 
wird man ſol<he Verbindungen und Zerſezungen in den Geſichtskreis 
hineinzuziehen haben, welche ſich, weil ſie complicirterer Natur ſind, 
dem Verſtändniſſe ſc<wieriger erſchließen und ſhon größere Uebung 
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