Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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häufig eine ganze Reihe von Zwiſchengliedern zwiſchen den gegebenen 
Körpern und das verlangte Endproduct. Die Löſungen dienen dem- 
nach niht nur zur Repetition des Gelernten, ſondern nehmen auch 
ein ganz achtbare8 Maß von eigener geiſtiger Thätigkeit in Anſpruch. 
In ihnen ſcheint mir deßhalb ein nicht zu unterſchägendes Material 
zur Gymnaſtik des Geiſtes zu liegen, Sollten z. B. alle Elemente aus 
ſc<wefelſaurem Natron frei gemacht werden, ſo wäre das Natrium Über 
zuführen in eine der Verbindungen, von welchen der Unterricht gelehrt 
hat, daß ſie zur Darſtellung des Natriums dienen können, alſo etwa 
in Chlornatrium oder in kohlenſaures Natron. Zu dem Zwede könnte 
das ſ<wefelſaure Natron durch Glühen mit Kohle in Schwefelnatrium, 
dieſes durc< Salzſäure in Chlornatrium oder durh Glühen mit fobhlen- 
ſaurem Kalk in kohlenſaures Natron verwandelt werden, oder man 
könnte das ſc<wefelſaure Natron durch Chlorcalcium in Chlornatrium, 
oder durc; Baryt in Natron verwandeln und dieſe Verbindungen dann 
weiter zur Abſcheidung des Natriums benußen. Der Sc<wefel und 
Sauerſtoffgehalt de8 Glauberſalzes müßte in eine leicht zerſeßbare 
Schwefel- oder Sauerſtoffverbindung übergeführt werden, erſterer etwa 
in Schwefelwaſſerſtoff oder Schwefelnatrium, die dann durc< Chlor 
„oder Sauerſtoff zu zerlegen wären; der Sauerſtoff in Waſſer oder 
Quedſilberoxyd. So ginge z. B. beim Glühen des ſchwefelſauren 
Natrons mit Kohle der Sauerſtoff über in Kohlenſäure. Dieſe ließe 
ſich reduciren dur< Natrium, das entſtehende Natriumoxyd würde mit 
Salzſäure Waſſer geben, oder es könnte zur Fällung von Quedſilber- 
oxyd benußt werden 26. Au an die Einwirkung eines Metalls z. B. 
des Eiſens auf ſc<wefelſaures Natron könnte man denken, wobei jedoch 
das Verhalten des Eiſens gegen Sauerſtoff und Schwefel zu beachten 
wäre; oder daran die Schwefelſäure al8 ſol<e aus dem Glauberſalz 
abzuſcheiden, die dann in ſchwefelſaures Quedſilberoxyd verwandelt 
werden müßte 26. Kurz es kommen im Unterrichte in der Negel jehr 
verſchiedene Löſungsvorſchläge vor, die zu Repetitionen und zu tieferem 
Eindringen in den beim Unterrichte ſelbſt dur<genommenen Stoff 
führen. Ob der Schüler grade ausführbare Löſungen trifft, iſt weniger 
wichtig , wenn ihn nur richtige hemiſche Gedanken zur Löſung geführt 
haben. Zur Schärfung der Selbſtcontrolle iſt es hier wiederum am 
beſten allein ſol<e Löſungen zuzulaſſen, die dur< Gleichungen, welche 
nur Körper von bekannter Zuſammenſeßung enthalten, ausdrüdbar 
ſind, und ähnlih wie bei Beweiſen in der Geometrie zu verlangen,
	        

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