Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

wegrennen m mot 
-- 373 -- 
In formeller Beziehung haben die Uebungsſtoffe na< und nach 
diejenige Correctheit erlangt, die ihnen re<ht lange an vielen Stellen 
fehlte. Rec<ht große Mängel zeigt dagegen no< "vielfach der Sach- 
und der Gedankeninhalt. Hierüber muß i<m mich etwas ausführlicher 
verbreiten; dabei möchte ic<m ausdrüli< die Annahme zurücweiſen, 
als ob im für eine Grammatik nur erhabene, geiſtreiche, elegante 
Sprachproben verlangte. Nicht3 liegt mir ferner, J< verlange in 
Bezug auf den Inhalt einfache, ſchlichte, dem jugendlichen Geiſte an- 
gemeſſene Koſt. Dieſe finde ich zunächſt nicht in einer Art von Säßen, 
deren Ton mir nicht re<t paſſend für die Jugend erſcheinen will. 
Hierzu re<hne ich Lection 2, S. 14 und 15, ein malitiöfe8 Gerede, zu 
welchem wir der Jugend beſſer keine Anleitung geben. Wenn A dem 
fre< fragenden B ſeinen Namen nicht ſagen will, ſo wird er ſelber 
unangenehm, indem er ſi< das Neht vindizirt, den B zuerſt nac< dem 
ſeinigen zu fragen, was er do<F< von dem B niht leiden wil. I< 
finde den A faſt noh malitiöſer als den B. J<H erinnere mich nicht, 
etwas ſo Ungehobeltes in irgend einem franzöſiſchen Buche geleſen zu 
haben. 
Die Anecdote Le CrEancier eurieux (L. 4) iſt für ein Sc<ul- 
buch kaum geeignet. Der malitiöſe prince de Talleyrand, der darin 
auftritt und bei ſeiner ehrloſen Shuldenmacherei über den geprellten 
Mahner einen Triumph des Wikßkes, reſp. der Unverſchämtheit davon- 
trägt, darf der Jugend kein Lächeln ablo>en, da ſeine Handlungs 
weiſe verächtlich iſt. 
No< unpaſſender erſcheint mir Saß 4 in Lection 11. Die 
jugendlichen Leſer dieſes Saßes ſtehen noch nicht auf dem Standpunkte, 
um einen Wiß über den ho<ha<tbaren ärztlihen Stand zu vertragen. 
Dergleihen abgedroſhene Wißeleien über einen edlen Beruf gehören 
abſolut nicht in die Schule. Die Jugend lerne von allen ehrbaren 
Berufsarten nur mit Hochachtung ſprehen. Da lobe im mir den be- 
kannten homeriſchen Vers (Jlias, XU, 514): 
277006 yY&e &v7o nokldv &vrdäiog &khmy, der befanntlich ſhon 
den Alten im höchſten Grade imponirt hat; oder die Stelle in einer 
bekannten franzöſiſchen Jugendſchrift : Simple et savant, gu6rissant 
les corps et respectant les ämes, il (le docteur Leblanc) aimait 
Son art comme une mission regue d'en haut, et V'exergait comme 
un ministere Sacre, avec respect et avec amour, PFleurange, par 
Me, Augustus Craven, 1, 17,
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.