Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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Ein junger Sybarit, dem idie Moralpredigt des Saßes 23, 
Lection 28 gehalten wird, müßte ſehr auf den Kopf gefallen ſein, 
wenn ihm nicht eine ſchlagende Erwiderung ſofort zu Gebote ſtände. 
Zu einer anderen Kategorie mir nicht convenirender Säße über- 
gehend, möchte ich auf Lection 4, S. 7 und Lection 5, S, 20 auf- 
merkſam machen. So angemeſſen es iſt, Sprüchwörter und berühmte 
Ausſprüche in der Originalform dem franzöſiſ<en Anſchauungsſtoffe 
einzuverleiben, ſo verfehlt erſcheint e8 mir, ſie zur Reproduction aus 
dem Deutſchen in8 Franzöſiſche zu verwenden. 
Sprüchwvörter haben häufig eine originelle Form, die als ſol<e 
fertig überliefert wird. Das Sprüchwort Tous les chiens qui aboient 
ne mordent pas entfernt ſi; nun zwar nicht von den gewöhnlichen 
Sprachregeln; do< verfehlt der deutſche Text: Alle Hunde, welche bellen, 
beißen ni<t =- den Sinn deſſelben vollſtändig. Mozin-Peschier hat 
unter aboyer; tous les chiens qui aboient ne mordent pas, 
ou tout chien qui aboie ne mord pas; es beißen nicht alle 
Hunde, die bellen ; Leute, die am meiſten drohen, ſind :am wenigſten 
zu fürchten, 
Da der Schüler, welcher bei Lection 4 angelangt iſt, den Gallici8- 
mus, welcher in der Negation von tout liegt, niht kennt -- er wird 
in der Shulgrammatik überhaupt niht erwähnt, ſeine Stelle würde 
in Lection 59 oder Lection 69 ſein -- ſo iſt der Sinn des Sprüch- 
wort3 gänzlich verändert worden, und, wie man zugeben wird, nicht 
zu ſeinem Vortheil. Ganz aus demſelben Grunde gehört das Sprüch- 
wort: Tout ce qui reluit w'est pas or (L. 17, 26) nicht in die deut- 
ſ<en Uebungsſäße. In den älteren Auflagen hieß hier der Text: 
Alles, was glänzt, iſt nicht Gold. Wie ſoll der Schüler hier die 
richtige Ueberſezung or finden? 
Der berühmte Ausſpruc<h Jeſu: Gebet dem Kaiſer 2c. ſcheint in 
Lection 5, S, 20 für die Bedürfniſſe von Lection 5 zurec<htgemac<t 
zu ſein. Wenigſtens lautet dieſer Sprue) in den mir augenbliälich 
zugänglichen zwei franzöſiſchen Bibeln : 
Alors il leur dit: Rendez donc 4a Cegar ce qui appartient 
a Cegar et 4 Dieu ce qui appartient & Dieu, (J.-F, Ostervald, 
Paris, Meyrueis et Compagnie). 
Alors il leur dit: Rendez donc ä& Cegar les choses qui Sont 
a Cegar, et 4 Dieu celles qui 8ont ä& Dien. (David Martin, 
Bruxelles).
	        

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