Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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ſcher, ſofort bereichert er ſih mit einem anſehnlihen Wortrei<hthum, 
ſofort vermag er germaniſches und romaniſches Element zu ſcheiden, 
wenn er nur des allgemeinen, wahrhaftig nicht ſo ſc<wierigen Geſeßes 
der ſog. zweiten Lautverſchiebung kundig geworden iſt, und ſelbſt auf 
dem Gebiete des ſchwereren Vocali8mus läßt ſih ſhon beim Anfänger 
hie und da auf ein Geſeß hinweiſen, zumal wenn der Schüler etwas 
vom Mittelho<hdeutſ<hen weiß oder auf Erſcheinungen in unjern ſc<wei- 
zeriſ<geu deutſhen Mundarten aufmerkſam gemac<t wird. Jener 
Sc<hmud> der germauiſhen Sprache, die früher unregelmäßig geſ<mähten 
Rerfecte oder Imperfecte, ſie gewinnen im Engliſchen erſt dann ihr 
Geſeß, ihre Klarheit, ihr Leben, wenn der ſogen. deutſj<e Ablaut 
verglihen wird. Der Lehrer der romaniſchen Sprachen, ſagen wir hier 
ſelbſt der franzöſiſchen, hat, auc< vorausgeſeßt, daß die Schüler kein 
Latein verſtehen, reihe Gelegenheit zu anregenden und fruchtbaren 
Vergleihungen. Daß au< ihm das Geſeh der Lautverſ<iebung 
Gewinn und Genuß bringen kann, haben wir oben geſehen; an Aus- 
drüden, wie l'espion, vergleiht er damit das alte 8päho oder nur 
unſer ſpähen, an Cerire, vergleiht er damit s8chriben, ſchreiben, 
u. a. kann er ein Geſeß der franzöſiſchen Anlaute aufdeden. Woher 
das ic in viens, tiens neben e in tenir, venir? Das rührt von 
der Betonung her, und es laſſen ſich deutſ<es8 brief aus breve u. a. 
vergleichen. Kennt der Lehrer den inneren Bau der germaniſchen und 
romaniſ<en Declination und Conjugation, ſo wird er auf deren ſc<nei- 
dende Verſchiedenheit und auf das Verhältniß der Entwiklungsſtufen 
hinweiſen. Wie im deutſchen ſyntaktiſ< die ablautende Form, die 
innerlim dem defini entſpricht, verwendet werde, wie dagegen im 
Franzöſiſchen, wie überhaupt in den romaniſchen Sprachen ein eigenes 
Imperfect aus dem Lateiniſchen ererbt ſei, wird das ſcharf aus8geführt, es 
wird innern und äußern Nußen ſtiften. Das analytiſche Verfahren 
des Nomaniſ<en nicht nur im Verhältniß zu den antiken Sprachen, 
jelbſt im Verhältniſſe zu dem neueſten Deutſ< kann dem Schüler nicht 
verborgen bleiben, wenn er in der Behandlung der Declination, der 
Steigerung u. ſ. f. mit einem treffenden Wort darauf hingewieſen wird, 
Daß aber zunächſt zu einem rechten Begreifen irgend einer romaniſchen 
Sprache die rec<hte Kenntniß des Lateiniſchen hoc<hwictig iſt, ſollte jeßt 
ſelbſtverſtändlich ſein und der Gedanke niht mehr ungeheuerlich er- 
jheinen, daß in einer höheren Töchterſchule, in welcher die romani- 
jhen Sprachen wie das mit romaniſchen Elementen reich durchzogene
	        

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