Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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ſtatt den Angaben in den Grands Berivains de 1a France einem der 
„editeurs mal rengeignes“ welche Diamante noh heute als Vorbild 
Corneille's8 anſehen, nämlih Brunnemann gefolgt und durch zu flüh- 
tiges Lejen einer Anmerkung deſſelben in einen bedenklihen Irrthum 
verfallen zu ſein, Brunnemann, der ſehr zum Schaden ſeiner Arbeit 
die Marty-Laveaux'ſhe Aus8gabe in den Grands Lerivains de 1a 
France unbenußt gelaſſen hat, ſagt S. 12 Anmerkung: „Juan-Bau- 
tiſta Diamante blühte unter Philipp IV. (1621--1665) um die 
Mitte des ſiebzehnten Jahrhunderts8! Aus Marty-Laveaurx'8 
Einleitung hätten beide Heraus8geber aber entnehmen können, daß 
Diamante erſt 1626 in Madrid geboren iſt; freilich baſirt dieſe Angabe 
nur auf Dokumenten, deren Authenticität mir wenigſtens no< zweifel- 
haft erſcheint. Aus einer Notiz von Viguier, wel<e Marty-Laveaux 
abdrukt, geht ferner hervor, daß die älteſte bekannte Aus8gabe von 
Diamantes „Honrador de 8u padre“ 1658 erſhien. Eine Detail- 
vergleihung des Corneille'ſhen Cid mit dem Stü Diamantes ergab 
mir allerdings wie Viguier, daß das lekßtere ſiher als Nachbildung des 
erſteren aufzufaſſen iſt, nur möchte i< die Aenderungen Diamante'3 
nicht ſo geringſhäßig beurtheilt ſehen, wie das von Viguier geſchehen iſt. 
Jn anderen Ausgaben des Theatre fr. von S<hüß ſind dagegen 
die Einleitungen dur<aus zwedentſprechend, ſo namentlih in den von 
W. Wagner bearbeiteten StüFen, wo au< der Commentar allen billigen 
Forderungen entſpri<t. Freilich will mir bedünken, als könnte ein ſo 
knapper und im weſentlihen aus anderen complicirter Commentar, 
wie er nun ein Mal dem Plan der ganzen Sammlung nur entſpricht, 
fügli< völlig unterbleiben und das Augenmerk der Herausgeber faſt 
ausſchließlic<h auf die möglichſt genaue Wiedergabe de3 beſten Textes 
gerichtet bleiben. So lange von Seiten der Schule die Moderniſirung 
der Orthographie von Autoren früherer Jahrhunderte nothwendig erachtet 
wird, kann man natürlich am wenigſten derartigen Textaus8gaben einen 
Vorwurf daraus machen, wie ſehr es auch im wiſſenſ<haftlihen Intereſſe 
zu bedauern iſt, daß ſelbſt die Grands Berivains dem großen Publikum 
zu Liebe dieſe Conceſjion gemac<t haben. 
Abgeſehen von der verſchiedenen Ausſtattung und den umfangreicheren 
Einleitungen ſcheinen mir die unter 2) aufgeführten Aus8gaben vor denen 
unter 3) keinen weſentlihen Vorzug zu beſißen, im Gegentheil ſteht 
die Launſche Athalie-ÄAusgabe durc<aus hinter der Wagnerſchen zurüc>, 
die Aus8gabe der Femmes 8ayv. von Lion erſchien bereits 1871, und
	        

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