Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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für dieſe Erſcheinung, auf welhe man vermuthung3weiſe kommen 
könnte, hob in ſeiner Antwort (S. 236) der Regierungs8commiſſar, 
Herr Geh. Neg.-Rath Dr. Stauder ganz beſonders das Verbin- 
dungsweſen hervor, „dieſe Peſt unſerer höheren Lehranſtalten“, 
welche ſo oft auf die häusli<he Thätigkeit des Schüler8, auf ſeine Vor- 
bereitung für die Schule, auf ſeinen Charakter einen nachtheiligen Ein- 
fluß ausübte und den früher guten Schüler zu einem ſchlechten 
niachte, und gegen welche, wie der Herr Regierung8commiſſar unzwei- 
felhaft richtig hinzufügte, die Schulverwaltung die Hülfe der Familie 
viel mehr in Anjpruch nehmen müſſe, als ſie ihr bis jetzt entgegenge- 
tragen worden ſei. So weit die Urſachen dieſer an manchen Orten 
in bedenklicher Weiſe ſich zeigenden Neigung der Schüler zum Wirth8- 
hausbeſu<) und niedrigen oft genug in Völlerei ausartenden Zer- 
ſtreuungen nicht in einer Zeitrichtung, ſondern in der Schule ſelbſt zu 
ſuchen ſind, werden dieſelben vor Allem auf den Mangel an inne- 
rem Intereſſe für die Gegenſtände des Unterrichts und 
auf die daraus hervorgehende Unluſt zur Arbeit zurücgeführt 
werden müſjen. Die Arbeit8-Unluſt ſelbſt aber hat wiederum, wie mir 
ſcheint, zwei Hauptquellen, eine no< immer weit verbreitete fehlerhafte 
Methode des fremdſprachlichen Unterric<t8 namentlich in den unteren 
und mittleren Klaſſen und zweitens die vorwiegend durch eine Ueber- 
fülle von Disciplinen hervorgerufene Ueberanſtrengung der Schüler 
namentlich in den oberen Klaſſen, 
Daß die Methode des fremdſprah<hlichen Unterrichts 
an unſeren Gymnaſien au ernſten Fehlern leide, dürfte doch 
wohl dur< die Reſultate erwieſen ſein. Auf der vierten preußiſchen 
Directoren-Conferenz (1865) erklärte *) der Referent (S. 151); „Mögen 
wir uns no<h ſo ſehr gegen die Anerkennung ſträuben, die Gemein- 
jamkeit der Urtheile ſpricht entſchieden dafür, daß die Schüler 
der Gymnajien ſelten die Fähigkeit erwerben, au nur 
einen Schriftſteller mit Freude und Genuß zu leſen.“ Und 
vor wenigen Jahren ſagte Du Boi3-Reymond'**), der na<h ſeiner 
Mittheilung ſeit mehr als einem Vierteljahrhundert als Examinator 
in den mediciniſmMen Staats8- und Fakultät8prüfungen das Wiſſen und 
*) Die Stelle iſt abgedruckt im Pädag. UAr<iv 1879, S. 187. Vgl. dort auch 
die ganz übereinſtimmende Aeußerung des Correferenten. 
**) Du Boi3-Reymond, Culturgeſchi<hte und Naturwiſſenſchaft , Deutſche 
Rundſc<au IV, S. 240, 241 und 244.
	        

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