Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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Zähigkeit ſich das Abſurdeſte, rein zufällig „hiſtoriſm<g Gewordene" er- 
hält. Jeder weiß ja, daß die mediciniſhen Wiſſenſchaften Naturwiſſen- 
ſchaften ſind. Jeder weiß, daß das A B C der Naturwiſſenſchaften 
die Mathematik iſt. Jeder müßte alſo folgern: Von den beſtehenden 
Schulen iſt diejenige am geeignetſten zur Vorbereitung der Mediciner, 
wel<he den Shüler am meiſten mathematiſ< ausbildet, und dies iſt 
die Realſchule. Die ſtählerne Schneide dieſer Logik iſt aber machtlos 
gegen die zähe Maſſe des Vorurtheils, welche ſi< hinter ihrem Rücken 
unerbittlich wieder zuſammenſ<<ließt, wo ſie davon durchſchnitten iſt.“ 
Daß bei dieſer Formulirung in dem „ſtählernen“ Schwerte allerdings 
einzelne Stellen von minder hartem Stoffe enthalten ſind, zeigen ab- 
geſehen davon, daß der Arzt dom auch vielfach pſychiſche Einflüſſe bei 
der Behandlung ſeiner Patienten in Rehnung zu ziehen hat, beſonders 
die weiter unten mitzutheilenden Aeußerungen von Profeſſoren der 
Mathematik, welhe den Gymnaſialſhülern den Vorzug geben. 
Nichts deſto weniger halte ih na< dem Total-Eindru>e, den ich aus 
dem Studium der Litteratur gewonnen habe, das Neſultat der Shluß- 
folgerung für richtig und verweiſe den, der die Frage eingehender 
prüfen will, nur no< auf das die Zulaſſung der Realſchul-Abiturienten 
zum Medicin-Studium gleichſall8s befürwortende ausführli<he Referat 
des Director3 de8 Gymnaſiums zum grauen Kloſter in Berlin und 
früheren Stadtſ<hulrathes Dr. Hofmann, vorgetragen in der Unter- 
richt3- Commiſſion des preußiſ<en Abgeordnetenhauſes. *) 
Bei dieſer Berufung auf die Autorität des in pädagogiſchen Kreiſen 
rühmlihſt bekannten Verfaſſerx3 der Denkſchrift über Mittelſchulen ſeße 
im freilih voraus, daß eine Neform des gegenwärtigen Real- 
ſ<ul-Lehrplans, auf wel<he er (S, 633) hindeutet, auch von ihm 
als nothwendig anerkannt wird. Denn es leuchtet ein, daß eine 
Schule, deren aus8geſprohener Zwe es iſt, zu denjenigen Berufsarten 
vorzubereiten, zu wel<en Fakultätsſtudien nicht erforderlich ſind, nicht 
ohne Weitere38 auch eine geeignete Vorſhule zur Univerſität ſein kann, 
Wenn aber dieſe leßtere Aufgabe biSher vom Gymnaſium im Großen 
und Ganzen befriedigend gelöſt wurde, ſo läßt ſich annehmen, daß bis 
- zu einem gewiſſen Grade der Lehrplan deſſelben einen Fingerzeig geben 
werde, in welcher Richtung die Nealſ<hule 1. O. bei ihrem erweiterten 
x) Hofmann im Berichte der Kommiſſion des preußiſchen Abgeordneten- 
hauſes für da3 Unterricht3weſen vom 7. Februar 1879, abgedru>t im Pädag. 
Archiv 1879, S, 628 fg.
	        

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