Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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Schülern erwartet werden kann, d. h. daß die franzöſiſche Grammatik 
grade in denjenigen Abſchnitten, wo ſie den Rahmen der klaſſiſchen 
Grammatik erweitert hat, nur für ſol<e Schüler verſtändlih und 
damit bildend ſein kann, welhe dur< ein mehrjähriges Studium der 
lateiniſ<en Grammatik, der Syntax beſonder38, dafür vorbereitet ſind. 
Wäre der Grammatiker berechtigt, eine ſol<e Vorbereitung bei den 
Schülern immer vorauszuſeßen, ſo wären unſere franzöſiſchen Gram- 
matiken ſ<on längſt gründlicher und bildender, und der franzöſiſ<e Unter- 
rimt, der heute noh auf die Geſammtbildung und Geſammtanſ<hauung 
unſerer Schüler eine ſehr geringe Wirkung ausübt, würde erſprießliher 
ſein und wirklich als eine Fortbildung und ſc<häßbare Erwei- 
terung derjenigen grammatiſchen und logiſ<en Erzie- 
hung erſcheinen, die ſich im lateiniſc<hen und griechiſhen Un- 
terrichte immer als beſonder3 wirkſam und geiſtig för- 
dernd erwieſen hat.“ 
Wird hierna< beim lateiniſchen Unterricht in den oberen 
Klaſſen von einem formalen Bildungszwe& abgeſehen und nur der 
reale Zwe> ins Auge gefaßt, dem Schüler wegen „des Zuſammenhangs 
der neueren europäiſchen Cultur mit dem Alterthum“ durc eine 
no< etwas weitergehende Lectüre die römiſche Welt 
lebendiger zu veranſ<aulichen, ſo dürften hierzu 2 Stunden in 
der Woche ausreihen. Nachdem bis Unterſecunda einſc<hließli< außer 
Cäſar in Quarta und Untertertia, große Abſchnitte aus Livius und 
einzelne Reden Cicero'3 (etwa pro Roscio Amerino und de imperio Cn, 
Pompei) ſowie au38gewählte Stüke aus Ovid und Vergil geleſen ſind 
(ob au< Salluſt wünſchenswerth, iſt mir zweifelhaft), würde für die 
Oberſiufe etwa no<g zu wählen ſein: von Cicero die wichtigſten und 
anziehendſten ſeiner Briefe ; von Horaz eine Blüthenleſe aus den Oden 
und den Satiren, dagegen die Epiſteln womöglich vollſtändig ; endlich 
von Tacitus die erſte Hälfte der Germania, umfangreiche Partieen aus 
den Annalen und Hiſtorien, jedenfalls alles auf Deutſchland Bezügliche, 
vielleim<t auc der Agricola. Sonſt wüßte i< kaum, was aus der rö- 
miſchen Litteratur noZ; unbedingt von dem Gebildeten geleſen ſein 
müßte. *) Auf den Gewerbeſchulen z. B. wird man ſc<hwerlic< ſich 
veranlaßt fühlen, nom von einem andern lateiniſchen Werke den Shü- 
lern Ueberſeßzungen vorzulegen. An der innerlich unwahren Advokaten- 
*) Vgl. v. Hartmann a. a. O. S. 64. 
Pädagogiſches Archiv. Band XXI], (7,) 1880. 32
	        

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