Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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beredtſamkeit, wie ſie an ſo vielen Stellen Ciceros in ſo unerfreulicher 
Weiſe entgegentritt, hat unſere Jugend, der vor allem ſchlichter Wahr- 
heitöſinn noththut, in der That nichts verloren. | 
In Betreff des Abiturienten-ExamenSs bemerke i<, daß aus 
den dargelegten Prinzipien über die zu erſtrebende logiſ<e Shulung 
na< Analogie der Anforderungen des Gymnaſiums im Lateiniſchen 
meiner Anſicht nah für die Realſchule hinſichtlich des Franzöſiſchen die 
Folgerung erwächſt, daß bei der ſchriftlichen Abiturienten- 
prüfung ſtets ſowohl ein franzöſiſcher Aufſaß als ein 
franzöſiſches Scriptum angefertigt werden müßte. Im 
Lateiniſ<en dagegen wäre kein Exercitium zu liefern, ſondern nur beim 
mündli<en Examen eine Stelle aus Tacitus oder Horaz zu überſeßen, 
Das Exercitium im Engliſ<en wäre auf mäßige Anforderungen zu 
beſchränken, etwa na< Maßgabe des griechiſchen Scriptums auf dem 
Gymnajium. = Endli< möchte ih no kurz darauf hinweiſen, daß dur< 
die eventuell mit der Odyſſee in Quinta beginnende Lectüre von Ueber- 
ſeßungen grie<hiſ<er Klaſſiker und die intenſivere Betreibung des 
Lateiniſchen in den unteren und mittleren Klaſſen ſowie des Fran- 
zöſiſc<hen in den oberen der Grundſaß Herbart's, nac< welchem 
im einzelnen Zöglinge die von der Menſchenkultur durchlaufenen Stufen 
wieder, jo zu ſagen, abbildlih dur<laufen werden müſſen, bei der 
Realſchule noh entſ<hiedener als bi8her dur<geführt wird. Auch in 
dieſem Geſicht8punkte treffe ich in erfreulicher Weiſe mit von Sall- 
würk zuſammen. *) 
Bei der Vertheilung der Stunden unter die übrigen Lehrgegen- 
ſtände (vgl. den tabellariſ<en Lehrplan am Schluß der Arbeit) mußte 
natürli? die Auffaſſung der Aufgabe der Realſchule den 
leitenden Geſichtöpunkt abgeben. Die Unterrichts- und Prüfungsord- 
nung vom 6. October 1859 geht bekanntlim< von dem Saß aus: „Die 
Real: und die höheren Bürgerſchulen haben die Aufgabe, eine wiſſen- 
ſchaftliche Vorbildung für die höheren Berufsarten zu geben, zu denen 
akademiſche Fakultätsſtudien nicht erforderlich ſind.“ Dieſer Grundſaß 
entſpri<t dur<gaus der hiſtoriſ<en Entwickelung des Realſchulweſens, 
wie er u. A, von Jäger**), Lattmann***) und Laas****) dar- 
*) A. aq. O. S, 769 und PBädag. Archiv 1880 S. 39. 
XX) Jäger, in der ſchon citirten Schrift: Gymnaſium und Realſ<ule 1. O. 
Mainz 1871. 
***) Lattmann, Reorganiſation de38 Realſ<hulweſens. Göttingen 1873. 
FKXX) Laas, Gymnaſium und Realſ<hule, Berlin 1875.
	        

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