Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

mee en IE PTH 777 
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gelegt und betont worden iſt. Von dieſem Standpunkte aus wird an 
der heutigen Realſchule 1. O, getadelt, daß ſie über die urſprüngliche 
Beſtimmung der Realſ<hule hinausgegangen ſei, und für den no< im 
Anfange der Siebziger Jahre bemerkvaren Uebelſtand einer großen 
Leere der Prima wurde die Abhülfe vorgeſchlagen, die Schule auf die 
Form einer ſec<8- oder ſiebencurſigen höheren Bürgerſchule, auf die 
ſogenannte „Mittelſ<ule“ zurückzuführen. „Während Einige", ſagt 
Wieſe in ſeinem hiſtoriſchen Referate *), „neben dem Gymnaſium nur 
die Elementar- und die Fachſchule als nöthig anerkennen, wollen Andere 
den Realſ<hulen das unruhige Streben in die Höhe dadurch abſchneiden, 
daß ſie ihnen die oberſten Klaſſen nehmen.“ Wenn der Kopf der 
Realſchule, das iſt ungefähr die Schlußfolgerung der Vertreter dieſes 
Standpunkts, dur<haus nicht die normale Größe erlangen will, nun ſo 
giebt e8 doch eine ſehr naheliegende Radikalkur : Man ſc<neidet ihn 
eben ab! Die überraſ<hende Einfachheit dieſes therapeutiſchen Verfah- 
rens hat allerdings etwas Beſtehendes, die Schwierigkeit iſt nur die, 
daß der Kopf wieder na<hwächſt. Und daß dem ſo iſt, daß die neun- 
curſigen Realſchulen mit Latein troß aller Unvollkommenheiten ſic< 
als lebensfähig erwieſen haben, das kann nicht, wie öfters behauptet 
wurde, ſeinen Grund nur in äußeren Begünſtigungen gehabt haben. 
Es iſt vielmehr deutlich zu erkennen und die maßgebende Unterrichts- 
und Prüfungs-Ordnung ſpricht e38 ſelbſt aus, daß dieſen Schulen noh 
ein ganz andereres Prinzip, als die Vorbereitung zu den Berufsarten 
Nicht-Studirter, zu Grunde liege: „Zwiſchen Gymnaſium und Real- 
ſchule findet daher kein prinzipieller Gegenſaß, ſondern ein Verhältniß 
gegenſeitiger Ergänzung ſtatt. Sie theilen ſich in die gemeinſame 
Aufgabe, die Grundlagen der geſammten höheren Bildung für die 
Hauptrichtungen der verſchiedenen Berufsarten zu gewähren. Die 
Theilung iſt durc< die Entwi>elung der Wiſſenſ<haften 
und der öffentlichen Lebensverhältniſſe nothwendig ge- 
worden, und die Realſchulen haben dabei allmählich eine coordinirte 
Stellung zu den Gymnaſien eingenommen.“ Offenbar aljo haben 
ſich hier zwei Gegenſäße dur<H kreuzt und daß man dieſe Doppel 
heit der Gegenſäße nicht hinreichend beachtete, hat, wie mir ſcheint, vor 
Allem dazu beigetragen, die „Realſ<ulfrage" ſo lange zu einer ſo dunkeln 
und unkiaren zu machen. Auf der einen Seite entwielte ſich ſeit dem An- 
x) Wieſe, das höhere Schulweſen in Preußen I11 S, 37. 
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