Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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wie zerſtörend dieſe Hingabe an die ſinnlichen Neigungen der niedrigſten Art 
auf die geſammte Anſchauung der jugendlichen Gemüther wirken muß. Nichts 
bleibt übrig, dem gegenüber dieſelben noh reine und zarte Empfindungen haben 
und pflegen könntenz ſelbſt jene Grenze zwiſchen dem Edlen und dem Gemeinen, 
die jede einigermaßen beſſere Natur wenigſtens hindert, unmittelbar von dem 
einen zu dem andern überzugehen, ſelbſt dieſe geht verloren: man findet nichts 
dabei, der lezten Obſcönität eines ſchmußigen Briefes unmittelbar einen Gruß 
an die Schweſter des Empfängers beizufügen. Zm beſonderen kann es nichts 
Anwidernderes geben, als den plumpen Ton, der ſo häufig von dieſen Burſchen 
angeſc<lagen wird, wenn vom weiblichen Geſ<hleht überhaupt geſprochen wird. 
Darf man ſich noh wundern, daß der Verfaſſer kategoriſ< darauf 
dringt, daß dieſe Giftpflanze aus der Jugend unſerer höheren Schulen 
ausSgerottet werde, daß er dem Miniſter die ſtrengſten Maßregeln vor- 
jhlug? Pilger bleibt übrigens bei dieſen Rathſhlägen, wie man ne- 
gativ gegen die Verbindungen verfahren ſolle, nicht ſtehen, er giebt 
auc<h poſitive Anleitungen, wie dem Uebel für die Zukunft vorge- 
beugt werden kann. Er fordert beſonders die ernſte treue Mitwirkung 
der Familie, der Väter und Mütter, welhe in der Erziehung der 
Kinder ſchon von der früheſten Zeit den Grund legen und nicht in jenem 
Alter Alles der Schule überlaſſen ſollen. Wenn man ſchon nicht zu 
der Ginfachheit früherer Zeiten zurükkehren kann und will, ſo ſoll doch 
der Jugend der Trieb zum materiellen Genuſſe beſchnitten werden, 
und vor Allem ſollen nicht die halbwüchſigen Burſchen wie junge 
Herr<en behandelt werden, vor denen Eltern oft ſelbſt und noFZq mehr 
Penſionshalter und Halterinnen im Staube liegen. Dieſe Penſionen 
ſind häufig die Stüßen des Verbindung3unweſens. Die Eltern vom 
Lande oder aus kleinen Städten, welche ihre Kinder eine höhere Schule 
beſuchen laſſen, ſollen bei der Au8wahl der HauSshaltungen, denen ſie 
ihre Kinder anvertrauen, mit Sorgfalt vorgehen und den Penſions8- 
haltern für die längſte Zeit de8 Jahres ihre Elternrehte voll abtreten. 
Dann werden in den Ferien ihre Söhne mit kindlicher Liebe und kind- 
lien Vertrauens voll zu ihnen zurückkehren, während ihnen jetzt oft 
das Elternhaus, in dem ſie nicht ihren Allotrien nachgehen können, 
einen läſtigen Aufenthalt bietet. Alſo an die Eltern richtet ſich die 
Pilger'ſhe Broſchüre mit ihren Mahnungen zur Beherzigung zumeiſt. 
Sie ſchließt mit folgenden ernſten Worten : 
Es8 wäre auf das dringendſte zu wünſchen, daß unſerem Volke in 
nicht zu ferner Friſt beſchieden ſein möge, die großen Aufgaben, deren 
Löſung die Gegenwart von ihm fordert, beendigt zu ſehen, damit es
	        

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