Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

eee emen Sem m 
-- 573 == 
ihre8 Handels und nicht minder ihrer Forſchungen, die vertraute Be- 
kanntſhaft mit den Alten die Reden ihrer Staat8männer und die 
Schriften ihrer Gelehrten durchdringt, gleih dem bekannten dur< das 
Tauwerk ihrer Flotte geſ<hlungenen rothen Faden. Viel auffallender 
erweiſt ſich in unſerem deutſ<hen Vaterlande, wie das Erwachen und 
Gedeihen einer nationalen Literatur und das daran geknüpfte Verdrängen 
einer todten Univerſalſpra<e aus Rede und Scriften keine8wegs 
innerlih und nothwendig eine Vernachläſſigung oder Mißahtung der 
Werke der Alten zur Folge habe, das gründlihere Studium und BVer- 
ſtändniß derſelben vielmehr in der belebendſten Wechſelwirkung mit 
den gejammten wiſſenſ<haftlihen Fortſchritten und namentli< mit der 
Ausbildung der vaterländiſhen Sprache ſtehe. Friedrich der Große 
in der Verachtung dieſer Spra<e nac< der Hofſitte ſeiner Zeit auf- 
erzogen und ſie mit dem Munde verleugnend, zauberte de3ungeactet 
ihre unermeßliche Entwickelung hervor dur< den Geiſt, durc< die 
Thaten, durch welche er die Deutſchen aus dem Schlummer, aus ihrer 
geiſtigen Unterthänigkeit erwedte, ihren Namen gegen die übermüthigen 
Nachbarn wieder zu Ehren brachte. Leſſing war ſein Zeitgenoſſe, und 
Göthes8 Genius ſeßte no< bei Friedrichs Leben die Welt in Staunen. 
Die Deutſchen bildeten ſich eine Literatur, die an Umfang und Tiefe 
in Wiſſenſchaft und Kunſt die jedes lebenden Volke38 überbietet, und 
die vaterländiſche Sprache, in welcher dieſer unermeßlihe Bau aufge- 
richtet wurde, hat einen Reihthum und eine Bildſamkeit bethätigt, 
welcher ſic< keine neuere Sprache rühmen kann. Zn eben dieſer etwa 
mit dem leßzten Drittheile des 18. Jahrhundert8 anhebenden Periode 
erwacht aber auc< wieder in Deutſ<land ein neues Intereſſe für das 
Studium der Alten, Ausgezeichnete Männer widmen ihre geſammten 
Kräfte der Philologie und Archäologie, es entſtehen beſondere Semi- 
narien auf den Univerſitäten zur Bildung für Lehrämter an den 
höheren Klaſſen der Gymnaſien. Die gründliche Beſchäftigung, die 
Vertrautheit mit den Werken der Griechen und Römer wirkt belebend 
und bildend auf die Mutterſprache zurück, ſteigert das Intereſſe an 
den Sprachſtudien im Allgemeinen, befördert die Kenntniß der Sprachen 
und Schriften aller älteren und neueren Völker und erweckt auch das 
Studium unſerer Altdeutſhen Poeſie, einer unerſchöpflichen Quelle des 
Reihthums für unſere heutige Spra<ße, H. Voß, A. W. Sclegel, 
Gries, Rückert, Droyſen, wie nom viele andere beweiſen durc< ihre 
Veberſeßungen, daß zu jenem Neichthume ſim eine Beugſamkeit der
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.