Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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vom 24. Oktober 1837 no< die Hälfte der Stunden =; und ſelbſt 
in den höheren Bürgerſchulen wird der Unterricht in der lateiniſchen 
Sprache für nothwendig gehalten und gewiß mit Recht. Kenntniß des 
Lateiniſchen iſt für jeden gebildeten Menſchen unerläßlich, ni<t nur 
weil dieſe Sprache faſt zwei Jahrtauſende hindur< das Organ des 
geiſtigen Verkehr8 in Europa und dadur< auf die Ausbildung der 
Sprachen dieſes Welttheiles, vornehmlih der romaniſchen, von ent- 
ſhiedenem Einfluſſe war, durc< ihre Wörter und ihre grammatiſchen 
Formen die Erlernung der unentbehrlichen lebendigen Sprachen unge- 
mein erleichtert; jondern weil e8 in der That für die Löſung jeder 
unjerer Wißbegierde vorgelegten Frage, namentlich für die Erforſchung 
der Natur als eines vor uns liegenden Näthſels keinen geeigneteren 
Typus, kein verſtändlicheres Schema giebt, al8 das Erlernen einer 
gebildeten todten Sprache. Meine Ueberzeugung hinſicht8 der Bedeu- 
tung und der Unerläßlichkeit einer gründlichen Anleitung zum Ver- 
ſtändniß der Griechen und Römer, der Urväter aller europäiſchen Bil- 
dung, für die Gymnaſien als Vorbereitung zu den Fakultätsſtudien 
oder zu einem allgemeinen wiſſenſc<haftlihen Berufe, näher zu erörtern, 
erſcheint überflüſſig, da die Frage bereits die heftige Reaktion der 
Realſchulen überſtanden, und das Studium der Alten ſich gegen alle 
Anfeindung behauptet hat. Allein um die klaſſiſchen Werke einer 
fremden, nicht blos einer todten, ſondern ſelbſt einer lebenden Sprache 
im Original zu leſen und zu verſtehen, Kopf und Herz daran zu 
ſtärken, iſt es dur<aus nicht erforderlich, die fremde Sprache zu reden 
und zu ſchreiben. Aeltere und neuere Philologen haben dies thatſäch- 
lich dadurc< eingeräumt, daß ſie wohl LateiniſQ nicht aber Griehiſch 
ſprachen und ſchrieben, ungeachtet ſie den griehiſ<en Scriftſtellern in 
Bezug auf deren inneren Werth den Rang vor den römiſchen ein- 
räumten. Neuere philologiſche Eiferer, wie etwa Herr Direktor Poppo 
in Frankfurt a. O., haben zwar verſucht, ſhriftlihe und mündliche 
Uebungen im Griechiſ<en zu einem ſtehenden Artikel in den Lehr- 
plänen der Gymnaſien zu machen, haben aber, nachdem ſie den ihnen 
untergebenen Anſtalten mehr Schaden als Vortheil dadurch geſtiftet, 
meines Wiſſens auc< bei der höheren Behörde keine Genehmigung 
ihres Vorhabens gefunden. Wenn einzelne Verſuche von Uebertragung 
deutſ<er Sätze ins Lateiniſ<e oder Griechiſche das Verſtändniß dieſer 
Sprache fördern ſollen, ſo wird dies mehr von dem ſpärlichen 
und geſ<hi>ten Gebrauc<he einzelner Lehrer abhängen, als zur allge-
	        

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