Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

 
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geliebten Kaiſer dem Vaterlande no< lange erhalten möge, den Guten zum 
Schuß, den Böſen zum Truß, laſſen ſie uns einſtimmen in den alten Ruf der 
Liebe und Treue: Kaiſer Wilhelm lebe hoh!" 
Kräftig ſtimmte die Verſammlung ein, worauf die erſte Strophe der National- 
hymne geſungen wurde, 
Den zweiten Toaſt brachte Herr Beigeordnete Dieße auf die Jubilarin aus. 
An denſelben ſchloß ſich der Geſang eines auf die Anſtalt gedichteten Feſtliedes- 
Den dritten offiziellen Trinkſpruc< hatte Herr Director Dr. Scha<t; derſelbe 
galt der Stadt Elberfeld, welche troß der materiellen Beſtrebungen ihrer indu- 
ſtriellen Kreiſe auch dem Zdealen einen ſo weiten Spielraum gewährt. 
Die Reihe der offiziellen Reden war hiermit geſchlojſen; um ſo reichlicher 
begann jeht die Quelle der ſcherzhaften und ernſten Toaſte zu ſprudeln, welche 
im Verein mit den Feſtliedern und den Muſitvorträgen die gehobenſte Stimmung 
hervorbrac<ten. Auch eine Anzahl von telegraphiſhen Glü>wünſc<hen war ein- 
gelaufen, welche unter lebhaftem Beifalle vorgeleſen wurden. So kam die ſiebente 
Stunde heran, und die Feſtgenoſſen begaben ſich zu einer muſikaliſchen Aufführung 
der Schüler in die Aula der Anſtalt zurüd. Sämmtliche Vorträge fanden un- 
getheilten Beifall. Sowohl den jungen Künſtlern wie ihrem Lehrer und dem 
Leiter der Soirce machten ſie alle Ehre. 
So war der erſte Tag hauptſächlich ein Feſt der Erwachſenen geweſen ; der 
zweite Tag gehörte mit Recht den Kleinen. 
Gegen halb ac<t Uhr bewegte ſim ein fröhlicher Zug von der Realſchule 
zum Bahnhofe der Bergiſc<-Märkiſ<hen Bahn. Etwa 400 Schüler -- die kleinſten 
waren zurücgeblieben =, unter Führung der Lehrer und theilweiſe von Angehörigen 
begleitet, traten eine Feſtfahrt na< dem Siebengebirge an. Ein Extrazug 
brachte die erwartung3volle Schaar nac< Deuß, wo ſie von einer Militärkapelle 
mit heiteren Muſikvorträgen empfangen wurden. Durch die Straßen der Stadt 
ging es jeht zum Landungsplaße der Dampfſ<<hiffe, welche für die Fahrt ge- 
miethet waren. Ueber und über waren die beiden Fahrzeuge mit Flaggen und 
Blattgewinden bede>t; beſondere Freude erregte das an den Maſtſpißen wehende 
Elberfelder Stadtwappen. 
Nachdem die Geſellſchaft dur< die umſichtigen Leiter des Ausfluges = die 
Herren Director Scha<ht und Stadtverordneten Kayſer = zu gleichen Theilen 
auf den Schiffen untergebrac<ht waren, dampften dieſe unter Böllerſchüſſen und 
Muſik den majeſtätiſchen Strom hinauf an Köln mit dem hoc<hragenden Dom 
vorbei gen Bonn. Die Umriſſe des Siebengebirges wurden immer deutlicher, 
endlich hoben ſie ſich in ihrer ganzen. Schönheit vom bewölkten Himmel ab. n- 
zwiſchen war die Zeit des Mittageſſens herangekommen. Da letteres8 auf der 
*Höhe von Remagen no<h nicht beendigt war, ſo fuhren die Schiffe bis Linz, wo 
ſie wendeten, um dann bei Königswinter anzulegen. In langgeſtre>tem 
Zuge bewegte ſich die Geſellſchaft den ſteilen Weg zum Drachenfels hinauf, um 
in luftiger Höhe bei den Klängen der Muſik die herrliche Fernſicht zu genießen. 
Dann ging es wieder zu den Sciffen hinab. Das Wetter blieb dem Ausfluge 
troß ver oft bedenklich ausſehenden Wolken bis zum Schluſſe durchaus günſtig. 
Ohne irgend welchen Unfall =- nur einige Müßen und Taſchentücher waren
	        

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