Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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Stoffes ein Mißverhältniß erbli>en, wenn er auch zugiebt, daß die der 
Gegenwart näher liegenden Thatſa<en und Zuſtände eine ausführ- 
lihere Beſprechung verdienen. No<h greller tritt die Ungleichmäßigleit 
der Behandlung zu Gunſten der brandenburgiſ<-preußiſhen Geſchichte 
hervor, wo ſogar der Slavenfürſt Jaczo (8ie!) Erwähnung findet und 
die einzelnen Erwerbungen ſelbſt kleiner Landestheile gewiſſenhaft auf- 
geführt werden. Do< angenommen, wir könnten dieſe Bevorzugung 
dem Lokalpatriotiömus des Verfaſſer3 verzeihen, ſo dürfen do<h die 
Nachläſſigkeiten im AusdruFe, die abgeriſſenen Säßhen mit häufig 
ſich wiederholendem Prädikat, die ſonderbaren um nicht zu ſagen baroden 
Urtheile keinen Anſprucß auf Entſ<huldigung machen. Die Franzoſen 
werden es vielleiht Herrn Knoc<henhauer danken, daß er die kühne 
Behauptung aufſtellt, der franzöſiſche Geiſt habe während der zwei 
Jahrhunderte der Kreuzzüge Europa beherrſc<ht. (S. 108.) Als Stil- 
probe ſei es geſtattet, einen aus8nahmsweiſe längeren Saß hier wieder- 
zugeben: „Dieſe Kriege wurden theils mit dem tüchtigen ſpaniſchen 
Fußvolk, theils mit italieniſchen Söldnern geführt, theils mit den 
deutſ<hen Landsknechten (e8 waren die überzähligen Bauernſöhne in 
Süddeutſchland, ihre Waffen lange Lanzen, große Schwerter und Har- 
niſche, ihre Führer die Junker, welhe im Hauſe keine Ruhe hatten) 
und den Schweizern, welche beiden Truppengattungen Söldnerdienſte 
thaten, und zwar die Schweizer bei den Franzoſen." (S. 162.) 
Das Bu ſoll für Schulen beſtimmt ſein; Neferent muß aber die 
Schule bedauern, in welcher der geſhichtlihe Unterriht nach des Ver- 
faſſers Grundriß ertheilt wird. 
9, Lehrbuch ver Geſchichte von Rud. Dietſ<. Geſchichte der Römer. Neu 
bearbeitet von Dr. M. Hoffmann. 1879. 
Der vorliegende Band iſt ebenſowenig ein Schulbuch als ein dar- 
ſtellende8 Geſchicht8werk, ſondern bezeichnet ſich ſelbſt in der Vorrede 
als „wiſſenſc<haftliches Hülfsbuch“ und dürfte ſomit vorzugsweiſe für 
Studirende und Lehrer der Geſchichte auf Gymnaſien berechnet ſein. 
: Der Zuſaß „auf Gymnaſien“ iſt nicht überflüſſig; denn zur Vor- 
bereitung auf den Unterricht in der römiſ<men Geſchichte auf Realſchulen 
wird dem Lehrer ſchon im Texte, no< mehr in den Noten ſo reicher 
Stoff geboten, daß er leiht der Verſuchung unterliegen kann, die Detail- 
ſhilderung zum Schaden des zu gewinnenden Ueberbli>s überwucern 
zu laſſen. Aber als Grundlage und Stüße der gymnaſialen Untey- 
weiſung iſt Dietſ<-Hoffmann vortrefflich,
	        

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