Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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und endli< auf die bewaldeten Hügel beim Logengarten und bis zur Villa 
Kreßmann hinunter die8mal nicht re<ht lohnend war, Auch auf dem Dammſc<hen 
See beeinträchtigte der Mangel an Ausſicht in größerer Ferne den Genuß, 
welchen ſolche Fahrt ſonſt bietet. Erſt, da die Flottille ſhon wieder in der Oder 
ſHwamm, wagte ſich die Sonne ein paar Mal, aber immer no< verſtohlen, 
hervor, Konnte ſie nun auch nicht mehr landſchaftliche Schönheiten beleuchten, 
ſo erweädten doMm ihre wenigen Strahlen günſtige Hoffnungen für den Abend, 
Hoffnungen, welche auch nicht getäuſcht werden ſollten. Vor 5 Uhr no<h legten 
die Dampfer in Sommerluſt an; nachdem ſich die Theilnehmer und Theilneh- 
merinnen (das zarte Geſchleht war troß der ſpäten Jahre3zeit, troß rauher 
Witterung und troß de3 Regens in der Mittag3zeit ſehr ſtark bei dem Ausflug 
vertreten) mit warmem Caffee oder gar mit einem ſeemänniſchen Grog geſtärkt 
und erwärmt hatten, wurde der Spaziergang von Goklow über die Berge nah 
Frauendorf und an der Kirche vorbei über Eliſen8höhe na< dem Wellnißſc<hen 
Etabliſſement, wo die Dampfer bereit lagen, angetreten. Jn Folge des Nebels 
konnten unſere Gäſte zwar auch auf dieſem Wege das prächtige Ausſichts8bild, 
welches hier geboten iſt, ni<t recht würdigen, indeſſen gewährte ſchon der Zug 
ſelbſt, der ſi<, mit der Kapelle voran, wie eine Rieſenproceſſion den Berg 
hinauf und durc< das Dorf bewegte, einen eigenartigen Anbli&, dem zur 
Schönheit nur fehlte, daß die Toiletten der Damen und Herren mehr lebhafte 
Sommerfarben zur Schau getragen hätten. Doc< wer kann gegen die Ananke 
des 29. September8 und wer hätte ſich auflehnen dürfen gegen den wohlmei- 
nenden Rath des Präſidiums, das nicht eindringlich genug empfehlen könne, 
warme, alfo do< dunkle Kleidung mitzunehmen? Auch ſo erregte der impoſante 
Zug no< Aufſehen genug. Die biederen Bewohner von Goßlow und Frauen: 
dorf, welche eifrigſt mit der Kartoffelernte beſchäftigt waren, ließen ihre Haden 
eine Zeit lang ruhen und nahmen neben den Kartoffelſä>en maleriſche Poſi- 
turen an. Andere, die mit Pflug und Egge das Land beſtellten, gönnten ſich 
und ihren Gäulen einen Moment Ruhe, und welche Verballhorniſirungen des 
Wortes „Philologen“ in dem Wechſelgeſprä< der guten Landleute bei dieſer 
Gelegenheit vorgekommen ſein mögen, darüber ſchweigt des Sängers Höflichkeit. 
Nur eines kann ſie nicht unterdrü>en, daß ein braver Ziegelſtreicher in Gliencken, 
al3 die Flottille vorbeifuhr, ſeinen Kameraden die ihm aufs Wort geglaubte 
Mähr verkündete, Prinz Friedrich Carl ſei in Stettin und ihm zu Chren fände 
die Oderfahrt ſtatt. Vielleicht haben ſich die Jrregeführten Abend3 no< im 
dortigen Schüßenhauſe beſſeren Rath geholt. Deſſen Wirth wußte wohl, wem 
zu Chren er ſeine Flaggen wehen ließ, und der Förſter in Bodenberg, der den vor- 
beipaſſirenden Dampfern von ſeiner „Einöd“ den Flaggengruß brachte, de8gleichen. 
Auf Eliſenhöhe wurde den von dem Spaziergange immerhin etwas erſchöpften 
Theilnehmern von dem für die Abfahrt beſorgten Vergnügung38ausſc<huß keine 
längere Raſt gegönnt und dieſe Vorſicht belohnte ſich. Nahm do<h die Einbar- 
kirung der nahe an 1000 Jeſtgenoſſen auf die ſec<s Dampfer ohnehin gar viel 
Zeit in Anſpruch, fo daß die Abfahrt erſt lange nac< 7 Uhr bewerkſtelligt werden 
konnte. Den eigentlichen Feſtſcriffen ſchloß ſih der Dampfer „VWöliß", welcher 
die Delegirten des pommerſchen Lehrerverbandes an Bord hatte, an und in 
deſſen Kielwaſſer folgten zahlreiche Bräunlihſche und Dalithſ<e Dampfer, alle
	        

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