Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

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den epiſch-[yriſ<en, ihre eigenthümlihen Schwierigkeiten hat, iſt jedem 
Lehrer de3 Deutſchen wohlbekannt, Während für Shiller und Göthe 
zahlreiche, jedem Bedürfniß entgegenkommende Commentare längſt vor- 
handen waren, iſt ſelbſt Dünßer erſt im vorigen Jahre an Uhlands 
Balladen und Romanzen herangetreten. Es waren hier für die Sach- 
erklärung erheblihe Schwierigkeiten zu überwinden, weil Uhlands epiſch- 
lyriſche Gedichte ni<t wie die Schillers und Göthes dur<gängig im 
klaſſiſ<en Alterthum wurzeln, ſondern theils in provinziellen Tradi- 
tionen, theils in Sagenkreiſen, die der Mehrzahl der Lehrer nicht ge- 
läufig ſind. Für die äſthetiſche Erläuterung, die Auffindung des Jdeen- 
gehalts, das ſprachlihe und ſachliche Verſtändniß, hatte Hie>e in 
muſtergültiger Weiſe den rechten Weg angegeben; aber für die Ver- 
gleihung der Dichtung mit der Quelle fehlte lange bei Uhland das 
Material. Und do iſt grade dieſer Einbli> in die Werkſtatt des 
Dichters für Lehrer und Schüler von gleichem Intereſſe. Die äußer- 
lihen Verſchiedenheiten findet der Shüler leiht und mit Luſt von 
ſelbſt; unter Anregung des Lehrers wird er aber auch mit ſteigender 
Freude wahrnehmen, wie und warum der ſpröde Stoff ſolhem Umge- 
ſtaltung8prozeß unterworfen wurde. Darum fanden auch die Vorar- 
beiten zu einem ſolchen Quellenbuch für Uhland8 Balladen, die Paul 
Eic<hho4t6ß theils in der Berliner Zeitſchrift für Gymnaſialweſen, 
(25. Jahrgang 1870) theils im Programm des Berliner Gymnaſiums 
zum grauen Kloſter (1873) und in einer Feſtſchrift derſelben Anſtalt 
(1874) veröffentlichte, gleih bei ihrem Erſcheinen in weiten Kreijen 
Anerkennung, ſo daß die Weidmann'ſhe Buchhandlung ſofort 
Separatabdrüce veranſtaltete. Leider ſtarb der vielverſprechende junge 
Gelehrte ſchon im 32. Leben8jahre im Juni 1875. Die Weidmann'ſche 
Buchhandlung aber hat jeßt dieſe 3 Abhandlungen unter dem Titel 
Quellenſtudien zu Uhland3 Balladen von Paul Eichholß 
zu einem kleinen Octavband zuſammenſtellen laſſen. Der Herausgeber 
Guſtav Hinrich3 konnte dabei aus dem Handexemplar des Ver- 
ſtorbenen noH mancherlei Notizen und Hinweiſe benußen und das 
Fragment einer Abhandlung von Eichholtz über die verſchiedenen Perioden 
in Uhland8 dichteriſher Thätigkeit hinzufügen. Ein außerordentlich 
ſorgfältig angelegtes Regiſter erhöht die Brauc<barkeit des Wertes, 
für das alle Freunde der Uhlandſ<en Muſe und zumeiſt die Lehrer 
der Buchhandlung und dem Heraus8geber aufrichtigen Dank ſchulden. 
Während man Über die poetiſ<he Lectüre in den oberen Klaſſen
	        

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