Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

-. 126 == 
hat; es wird nur von ihm verlangt, daß er das Staats8examen be- 
ſteht, wo und wie immer er ſeine Kenntniſſe erworben haben mag; 
natürlich iſt das Staat3exramen dort etwas ſtrenger, als es bei uns 
der Fall iſt, na<z dem, wa3 ich zuvor geſagt habe. 
Meine Herren, der Mangel an ernſter Beſchäftigung, an wilſſen- 
ſchaftlihem Ernſt und Fleiß hat no< gar manche andere Uebelſtände 
im Gefolge. ZJ< will nur mit wenigen Worten darauf hinweiſen, da 
es ja den Herren, wenigſtens der Mehrzahl nach, ſoweit ſie ſelbſt 
ſtudirt haben oder Söhne auf Univerſitäten haben, nur zu gut bekannt 
iſt. Sie wiſſen nur zu gut, wie es mit den Kneipereien ausſieht, die 
oft ſ<on mit dem ſogenannten Frühſchoppen anfangen =- eine moderne 
Errungenſchaft ; zu meiner Univerſitätszeit kneipte man nur während 
des Abends, man fing mit dem Trinken nicht ſhon Morgens früh an. 
Meiner Anſicht nach gereiht dies unſerer „gebildeten“ ſtudirenden 
Jugend, wenigſtens im Auslande, das kann ich Sie verſichern, nicht 
zur Ehre. Natürlim< kommen dazu die Ausflüge, dann die Abend- 
kneipereien, die ſim bis tief in die Nacht hinein erſtre>en. No be- 
dentlicher iſt das auc< mit dem Müßiggange vielleicht zuſammenhängende 
Menjurenunweſen, ein Unweſen, welchem gegenüber meines Erachtens 
von Rektor und Senat durchweg viel zu viel Duldung gewährt wird, 
Meine Herren, es iſt damit ſehr weit gekommen ; ich glaube, daß das 
ein re<t wunder Punkt iſt, welhen die Staatsregierung feſt ins Auge 
faſſen muß. Sie werden zugeſtehen, daß im Heere das Duell eine be- 
tlagenSwerthe Sache iſt. Es wird behauptet, das Duell ſei da eine 
Nothwendigkeit, J< will darüber nicht entſcheiden ; im bin zu wenig 
bewandert auf dem militäriſhen Gebiet, um da hineinſprechen zu 
wollen, obgleich im do<h anführen möchte, daß es mächtige Staaten 
giebt, in welchen das Duell auc< bei dem Militär ſchlechthin verboten 
iſt. Doh, wie geſagt, i< laſſe das auf ſich beruhen, es ſoll mic< hier 
niht weiter beſchäftigen. Wohl aber ſcheint es mir, daß das Duelliren 
auf den Univerſitäten aufs Strengſte niederzuhalten ſei, daß man es 
damit niht ſo leiht zu nehmen hätte, wie es jekt leider geſchieht. 
Wenn ſogar, wie ich vor einigen Tagen in Zeitungen geleſen habe, 
ſogenannte Korpsphiliſter, im ſage Ko rp3philiſter, zuſammengetreten 
ſind, um eine Vereinigung gegen das herrſ<hende Menſurenunweſen zu 
treffen =- die Notiz liegt mir hier vor --, dann werden Sie mir 
gewiß zugeſtehen, daß es damit weit gekommen ſein muß. Leider ſind 
auch die mehr oder weniger ungefährlichen Duelle vielſa<M ausgeartet
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.