Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

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60 bi3 70,000 Mark für die Königlichen Anſtalten, die mit ſolchen 
Einrichtungen noch nicht ausgeſtattet ſind. Man hat geſagt, es handle 
ſich bei der Reform darum, daß in den Gymnaſien mehr Mathematik 
und Naturwiſſenſ<haft getrieben werden ſolle und der grammatikaliſche 
Unterricht demgemäß abgekürzt werden ſolle ; andererſeit8 hat man 
verlangt -- und es hieß, daß die Negierung darauf eingehen werde -- 
daß die Realſchulen aus ihrem bisherigen Proviſorium heraustreten 
und endlich zu der ihnen ſhon im Jahre 1859 prinzipaliter zuerkann- 
ten Gleichderechtigung mit den Gymnaſien dadurc< gelangen ſollten, 
daß das Latein mehr in den Vordergrund treten würde. Seitdem iſt 
Alles ſtill geworden. Man weiß nicht, wie ſteht die Königliche Staats- 
regierung zur Durchführung dieſer Frage * 
I< würde die Sache hier nicht zur Sprache gebracht haben, wenn 
nicht im AugenbliE eine Angelegenheit no< ſchwebte, die in unmittel- 
barem Zuſammenhange damit ſteht, Die Herren werden wiſſen, daß 
gegenwärtig beim Herrn Reichskanzler die neue ärztliche Prüfungs- 
ordnung zur Entſcheidung vorliegt, für welche im Laufe ves Jahres 
eine Sachverſtändigenkommiſſion berufen war. Die Kommijſion hat 
ſich zu folgendem Beſchluß vereinigt ;: 
„Indem die Kommiſſion von der ihr dur den Vertreter des 
Königlich preußiſchen KultuSminiſters mitgetheilten Abſi<t des leß- 
teren, dem Unterricht in der Mathematik und in den Naturwiſſen- 
ſchaften auf den preußiſ<en Gymnaſien in naher Zeit eine höhere 
Entwi>elung zu geben, Kenntniß nimmt, und in der Erwartung, 
daß dieſe Reform, mindeſtens in dem geplanten Umfange, möglichſt 
bald in allen Bundesſtaaten dur<geführt werde, ſtimmt dieſelbe der 
Ziffer 1 von 8 4 des Entwurfs einer Bekanntmachung, betreffend 
die ärztlihe Prüfung, bei.“ 
Es ſoll nämlich in dieſem Entwurf die Beſtimmung enthalten 
ſein, daß die Vorbedingung des mediziniſhen Studiums das Maturi- 
tät8zeugniß von einem Gymnaſium iſt, Die Beſtrebungen und, wie 
im glaube, berechtigten Beſtrebungen der Realſhulmänner und der 
Kommunen, welche ein erhebliches Intereſſe an der Sache baben, gehen 
dahin, wenigſtens für die mediziniſche Wiſſenſ<haft die Gleichberechti- 
gung, die im Jahre 1859 ausdrüli< anerkannt worden iſt durch den 
Miniſter von Bethmann-Hollweg, endlich durchzuſetzen, aber die Hoff- 
nungen, dies zu erreichen, ſind wieder einmal geſ<wunden, Änderer- 
ſeit8 haben wir auch für die Gymnaſien keine ſichere Baſis, denn Sie
	        

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