Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

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gehalten würde, daß der Schüler beim Leſen ſic< nicht auf das Bu) 
legt, jondern zwiſh<en demſelben und dem Auge eine angemeſſene 
Diſtanz zu behalten ſim gewöhnt. -- Nichtsdeſtoweniger würde ent- 
ſchieden zu widerrathen ſein, nac dem Vorſchlage des Dr. Vir<ow 
eine ſtändige ärztlimMe Shulauffi<ht zu creiren. Sie würde 
bei den öffentlihen Schulen den gehofften guten Dienſt ſchwerlic< 
leiſten können, und die Verwaltung derſelben durc< die Vermehrung 
der Aufſicht3inſtanzen no< complicirter machen. Dem Miniſterium 
des Cultus ſtehen in ſeinex dermaligen Zuſammenſezung hinreichende 
Kräfte zu Gebote, aum na< der Seite der Sanitätsbedürfniſſe vor- 
kommenden Wahrnehmungen oder Anregungen die zum Wohle der 
Schule nöthige und wirkſame Folge zu geben. 
Vollend38 einen unabhängigen ſachverſtändigen Unterricht8rath 
dem Miniſter an die Seite zu ſeen, wie derſelbe Abgeordnete vorge- 
ſ<lagen hat, wäre in einem Staate von dem Umfange des preußiſchen 
vielmehr eine Maßregel der Hemmung als der Förderung der Unter- 
richt38verwaltung, ſollte e8 ſich dabei auß nur um eine berathende, 
ni<t um eine zu Entſ<eidungen berechtigte Jnſtanz handeln. Die 
ausgeſpro<hene Abſicht aber, die miniſterielle Willkür einzuſchränken, 
wird durch guten Rath, den man auf ſic< beruhen laſſen kann, nicht 
erreicht. Jn einigen anderen Ländern, 3. B. in Baiern, hat der Cul- 
tusminiſter keine techniſch erfahrenen Schulmänner neben ſich, nur 
juriſtiſc<; vorgebildete Beamte; da wird de38halb ein ſolcher aus Univer- 
ſitätsprofeſſoren und Sculdirectoren zuſammengeſeßter Unterrichtsrath 
von Zeit zu Zeit berufen. In Preußen wäre er neben den Miniſterial- 
und Provinzial-Schulräthen und den Wiſſenſ<haftlihen Prüfung3com- 
miſſionen etwas Ueberflüſſiges. Der Vorſchlag iſt aus einer höchſt 
unklaren Anſicht von den faktiſchen Verhältniſſen und den Bedingungen 
einer guten Verwaltung hervorgegangen. Wo bliebe die Einheit und 
innere Uebereinſtimmung der oberſten Schulleitung, wenn der Miniſter 
bei wichtigen Maßregeln, z. B. der Wahl und Cinführung von Lehr- 
und Leſebüchern, niht mitzuſprehen, ſondern nur das Zuſehen hätte? 
Auch würde die geplante Inſtitution, wenn ſie auf ſolche Weiſe als 
eine Nebenregierung der freien Jnitiative oder dem Verfügungsrecht 
des Miniſters hinderlich ſein und ſeine Anordnungen durchkreuzen 
könnte, der conſtitutionellen Verantwortlichkeit widerſprehen, welc<he der 
Miniſter dem Könige und der Landesvertretung gegenüber auf ſich 
hat; we8halb auc< Herr v, Puttkamer ſi< mit Nec<t dagegen erkärte
	        

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