Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

-= 238 = 
Bli> nicht über ihren nächſten Kreis zu erweitern vermögen, auf die 
Verhältniſſe eines ſo großen Staats, auf die Verſchiedenheit der An- 
ſtalten und ihrer Patronate, und auf die unausbleiblihen Folgen der 
gewünſchten Einrichtung für den Lehrerſtand ſelbſt. Die preußiſche 
Regierung hat dieſe Folgen in den neuen Landestheilen, wo ſie dieſelbe 
vorfand, zur Genüge kennen gelernt. 
Daß der Landtag ſi< auc< mit dem in den höheren Lehranſtalten 
graſſirenden Verbind ungs8weſen beſchäftigte, war erwünſcht, weil 
dadurch ein gemeingefährliher Schaden no< mehr als neuerdings ge- 
ſchehen offen gelegt, und allen, welche zu einer Gegenwirkung verpflichtet 
ſind, der Polizei, den Lehrern und Eltern, das Gewiſſen geſchärft wird, 
Wie nach anderen Seiten die Schule in neuerer Zeit oft geneigt er- 
ſcheint in die Univerſität überzugreifen, ſo ſind auch unter den Schülern 
dieſe Verbindungen eine Verfrühung ſtudentiſcher Freiheiten und Genüſſe. 
Wie viel ſhon eine angemeſſene häusliche Ueberwachung des Umgangs 
und der Zeitverwendung der Jugend zu ihrer Bewahrung thun kann, 
bedarf keiner Darlegung. Wenn aber in den veröffentlichten Mitthei- 
lungen über die thatſä<hlichen Vorgänge an vielen Schulen nichts einen 
ſo tief betrübenden Eindru> bei dieſer Sahe zu machen geeignet iſt 
als die wahrgenommene Verlogenheit, die den armen Knaben und 
Jünglingen eine Shußwehr gegen Entde>ung ſein ſoll, ſo liegt die 
Frage nahe, ob die Schule auh ihrerſeit3 alle Kraft der Abwehr auf 
dieſen gefährlichſten Punkt gerichtet hat. Wie nichts verderblicher in 
dieſer ganzen Verirrung als die Gewöhnung an Lüge und ſophiſtiſche 
AusSrede, ſo iſt umgekehrt alles gewonnen, wenn der Weg zum Ge- 
wiſſen und zur Wahrheitsliebe no< offen oder wieder geöffnet iſt. 
Das mögli< zu machen liegt nimt außer dem Bereich der Schul- 
pädagogik. Die Bemerkung eine8 Abgeordneten, zu dem Verbindungs- 
übel habe der gänzliche Mangel an religiöſer Zucht auf den höheren 
Schulen beigetragen, thut ihnen Unre<ht. So ſteht e8 Gott ſei Dank 
nicht, daß ein generaliſirendes Urtheil dieſer Art Grund hätte. Aber 
die Schule ſollte in der ihr und dem Elternhauſe gemeinſamen päda- 
gogiſhen Aufgabe nichts ſo ſehr beherzigen als die Pflicht der Erzie- 
hung zu unbedingter Wahrhaftigkeit. Jn der Gleichgültigkeit dagegen 
liegt eine Mitſchuld, wenn die Jugend ihres ſchönſten S<hmuds ent- 
behrt, und einer Erhebung über das Gemeine zur Freude an Jdealen 
unfähig, und überhaupt für das höhere geiſtige Leben unempfänglich 
wird. Die erziehende Kraft des Unterrichts, auf die man bisweilen
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.