Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

-- 91 -- 
durchaus propädeutiſche Charakter deſſen, worum es ſich handelt, ver- 
kannt. Wie Hegel in Niürnberg und na< ihm einzelne Directoren 
und Lehrer gethan, mit den Primanern zu philoſophiren, wird jetßt 
nicht leiht einem in den Sinn kommen. Aber die logiſ<hen Uebungen, 
welcbe der Lehrplan unſerer höheren Schulen vorſchreibt, und ihre 
pſy<ologiſ<e Vorbereitung, ſind, richtig aufgefaßt, elementarer Natur 
und gehören ni<t zu dem, was Jac. Grimm das „Univerſitätiſche“ 
nennt, wodur< da8 Gymnaſium in die Gefahr komme ſeine nächſte 
Beſtimmung zu vergeſſen. Allerding8 wird dieſer Unterricht beſſer jo 
lange unterbleiben, bis ein völlig dazu befähigter Lehrer vorhanden 
iſt. Denn unzwe>mäßig ertheilt kann er den Gegenſtand auch für 
weitere Studien verleiden, während er gerade dafür den Trieb weden 
und beleben ſol. Ein Verfahren z. B., welche3 ſih nur an das Ge- 
dächtniß wendet, iſt dabei ebenſo zwe>widrig wie in der Mathematik, 
Wenn empfohlen wurde, die der philoſophiſ<en Propädeutik gewidmete 
Zeit lieber der Literaturgeſchic<te zuzuwenden, ſo iſt das ein Erſaß von 
jehr zweifelhaftem Werth, ſofern nicht Sicherheit da iſt, daß die Ueber- 
lieferung hiſtoriſ<er Notizen und fertiger Urtheile über Gegenſtände 
der Literatur dadurc< nicht vermehrt wird. 
Am meiſten Anlaß zu Excurſionen auf das Schulgebiet gaben die 
Nealſ<hulen; und die Umſtände, welche eine no<h immer offene Real- 
ſ<ulfrage gei<haffen haben, können die der Sache ſeitens der Lan- 
de3vertretung gewidmete Beachtung ſehr wohl rechtfertigen. Die Be- 
ſprehung würde indeß fruchtbarer geweſen ſein, wenn ſie mit mehr 
Unbefangenheit geführt worden, und von genauerer Kenntniß der 
thatjächlichen Verhältniſſe unterſtüßt geweſen wäre, ES iſt nicht die 
Sprache einer objectiven Würdigung, ſondern etwa der Converſation, 
welche der ſubjectiven Zu- und Abneigung freien Lauf laſſen darf, 
wenn ein Abgeordneter äußerte : „die Begünſtigung der Realſchule -- 
Dd. h. die Realſchule ſelbſt -- iſt mir nicht ſympathiſch". Iſt das der 
richtige Standpunkt des Urtheil8 bei Verhandlungen, welche auf die 
Maßregeln der Negierung Einfluß zu üben beſtimmt ſind? Von eben- 
daher wurde jedoch beſtimmter der Vorwurf gegen die Realſc<hule ge- 
richtet, fie diene dem Nüßlichkeit8prinzip des täglichen Lebens und 
habe es nicht auf geiſtige Durc<bildung, ſondern auf äußerliche Nou- 
tine abgeſehen. Wäre dieſe Auffaſſung richtig, ſo würde angeſichts des 
Strebens und der Aufgabe der Realſ<hulen, neben den Gymnaſien 
eine gleich ac<tbare Stellung einzunehmen, eine ariſtokratiſche Excluſivität,
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.