Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

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ſhulen den Charakter allgemeiner Bildungsanſtalten zu wahren. Die 
Lehrordnung von 1859 ſagt ausdrücklich: „ſie ſind keine Fachſchulen, 
jondern haben es wie das Gymnaſium mit allgemeinen Bildungs- 
mitteln und grundlegenden Kenntniſſen zu thun“, und dürfen nicht 
vergeſſen, „daß der tiefere Grund des Realen in dem geiſtigen Gehalt 
und Werth der Dinge liegt, und daß die ſichtbare und ſinnlihe Welt 
auf der unſichtbaren und geiſtigen ruht." - Derſelben Erhebung über 
das für die nächſten Leben8zwe>e Brauchbare entſpric<t au< die Auf- 
nahme des Lateiniſchen in den Lehrplan. Außer dem Nußen, den es 
als allgemeine grammatiſ<e Grundlage beim Sprachunterricht gewähren 
kann, iſt es nächſt dem Unterricht in der alten Geſchichte ein Band, 
welches in dem allinählich ſich erweiternden geiſtigen Umbli> der Jugend 
die Gegenwart mit einer fernen Vergangenheit verbindet, aus der in 
unſerer allgemeinen Bildung ſich ſo viele Elemente erhalten haben. 
Zugleich gehört es außer der Gemeinſamkeit in religiöſer und nationaler 
Bildung zu demjenigen, was die Nealſchule mit dem Gymnaſium in 
Verbindung erhält. Friedric der Groge wollte nic<t einmal in der 
allgemeinen Bürgerſchule das Lateiniſche entbehren, 
Die Inſtruction von 1832 wurde von dec Regierung als eine 
„vorläufige“ bezeichnet. Auch die Unterricht8- und Prüfungs8ordnung 
von 1859 hat noc< etwas von dieſem Charakter: ſie will nur Baſis 
für die weitere Entwicklung ſein und hat verſchiedene Fragen des Lehr- 
plans offen gelaſſen. Ganz anders als das Gymnaſium der wachſenden 
und wechſelnden Mannigfaltigkeit des Lebens zugewandt, kann die Real- 
ſ<hule, ſo nothwendig ihr aunc< eine nict wandelbare Grundlage iſt, 
über dieſe hinaus eine feſt abgeſchloſſene Lehrverfaſſung viel weniger 
haben als jenes. Nach dem Reglement von 1859 ſoll ſie „eine wiſſen- 
ſ<haftlihe Vorbildung für die höheren Berufs8arten geben, für welche 
akademiſche Fakultätsſtudien nicht erforderlich ſind,“ Allein der Miniſter, 
der das Reglement erlaſſen, v. Bethmann-Hollweg, hat gleich anfangs 
im Abgeordnetenhauſe vorhergejagt : „Die Reali<hulen werden an die 
Pforten der Univerſität klopfen und man wird ihnen Einlaß gewäh- 
ren." Es iſt in Folge einer Miniſterialverfügung von 1870 geſ<hehen, 
der bi8her wichtigſte Schritt ihrer Weiterentwikelung. Dem Triebe 
dazu kamen die Univerſitäten ſelbſt entgegen. Nicht nur daß ſie zu 
Gunſten der ſpeziellen Fachſtudien den früheren wiſſenſ<aftlihen Zu- 
ſammenhalt mehr und mehr aufgegeben und das lateiniſche Kleid der 
Gelehrſamkeit abgelegt hatten, ſondern ſie erweiterten auch, mit der
	        

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