Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

2. 87 = 
Wenn man weiß, meine Herren, daß die Worte eines ſolhen Mannes 
doc< von Einfluß ſind, daß ſie geſpro<en werden vor einer akademiſchen 
Jugend, die zum Theil beſteht aus jungen Männern, die eine Real- 
ſh<ulbildung erlangt haben, ſo wird man vor Allem fragen müſſen, 
wel<he Information hat dem betreffenden Rector zur Seite geſtanden, 
um einen ſol<hen Tadel auszuſprehen. Die Unterricht8verwaltung, 
meine Herren, ſorgt ſelbſt dafür, daß die nothwendige Jnformation 
über die Leiſtungen der Realſchulen niemandem fehlen kann. Zn dem 
Centralblatt für die Unterricht8verwaltung findet man nämlich von 
Zeit zu Zeit die Reſultate der Prüfungen angeführt. Hat nun der 
Herr Rektor der von mir bezeichneten Univerſität bis jeßt no< nicht 
ſeine Rektoratsrede drucken laſſen, ſo wird ſie, wenn ſie nicht weſentlich 
redigirt wird, den abfälligen Tadel enthalten, den ich hier ausgeſprochen 
habe. 
Meine Herren, wenn Sie die Statiſtik einſehen = i< will nur 
einige Zahlen anführen = ſo ſteht dieſe dem genannten Rektor der 
Univerſität niht zur Seite. In den Jahren 1877/78 wurde von vielen 
Examinanden der Realſchulen und der Gymnaſien die Oberlehrerprüfung 
beſtanden und es ergab ſi<, daß von den Nealſ<hulabiturienten 23 
Prozent, dagegen von den Gymnaſialabiturienten nur 12 Prozent ein 
Zeugniß erſten Grades bekamen, ſo daß dieſes Ergebniß ſich ſehr vor- 
theilhaft für die Realſchule herausſtellt. Wenn man auf einen ganzen 
Abſchnitt zurüägeht, meine Herren, ſo beweiſt die Statiſtik und auc< 
eine abgedruckte Erklärung der Staatsregierung, daß ſic< die Leiſtungen 
der Abiturienten der Realſchulen und der Gymnaſien bezüglic< der 
Oberlehrerprüfung die Waage halten, daß ein Mal zu Gunſten der 
Gymnaſialabiturienten, das andere Mal zu Gunſten der Realſchul- 
abiturienten die Wage ſchwankt. 
Man hat von den Realſchulen geſagt, daß ſie nicht ausreichend 
die ideale Seite pflegen, wie die Gymnaſien, man hat außer dem Hauſe 
bemerkt, der AmerikaniSmu3 werde in den Nealſ<ulen begünſtigt. Wer 
jedo< den Lehrplan der NRealſ<ulen anſieht, wer weiß, daß deutſche, 
engliſche und franzöſiſ<e Klaſſiker geleſen werden, daß die Geſchichte 
ebenfalls die großen Männer aller Zeiten im Unterricht vor Augen 
führt , wird ni<t bezweifeln können, daß ein ſol<her Vorwurf nicht 
gerechtfertigt iſt. E38 giebt Männer, die, ohne eine Gymnaſialbildung 
erhalten zu haben, in der Kunſt das Bedeutendſte leiſteten, ohne daß 
man von ihnen ſagen konnte, daß der klaſſiſ<e Geiſt in den Gymnaſien
	        

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