Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

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verfallen, do<m auch den entgegengeſeßten Standpunkt zu Gunſten der 
Gymnaſien bedingt hier vertreten. J<h kann nicht leugnen, daß für 
mich die Realſchule in Bezug auf das ganze Gebiet ihre8 Wiſſens und 
Leiſtens neben dem Gymnaſium nur in zweiter Linie ſteht, Die 
Freunde der Nealſc<hule ſelbſt werden zugeſtehen, daß die Realſchule 
eine mehr äußerliche Noutine, mehr Kenntniſſe des täglichen Lebens 
vorweg in der Schule ſ<on will erwerben laſſen, man will da ſchnell 
zu dieſen äußerlichen Kenntniſſen gelangen, Und es giebt ja allerdings 
eine ganze Anzahl realiſtiſ<er Berufsarten, wel<e eine ſolche früh- 
zeitige Aneignung von Realkenntniſſen erfordern mag; es iſt gewiſſer- 
maßen der Drang des täglichen Leben38, der ſich rücſicht8lo8 ſo kund- 
giebt, Dem gegenüber ſteht das Gymnaſium mit ſeiner Eigenart und 
ic< freue mich de8halb um ſo mehr ſeines mehr akademiſ<hen Charakters. 
Es iſt weniger die äußerliche Ausbildung als die geiſtige 
Durd<bildung, die das Gymnaſium erſtrebt, ſhon durch die ein- 
gehende Beſchäftigung mit den alten Sprachen, Wieine Herren, ver- 
gleihen Sie einmal die ganze innere Geſtaltung der modernen und 
alten Sprachen untereinander. Es iſt nicht zu leugnen, daß die latei- 
niſme und griechiſ<e Sprache in der ganzen Art und Weiſe ihrer 
Kompoſition, ihrer Saßbildung und ihres Gefüges ſo hervorragend 
der Ausdru> einer logiſc<en Durchbildung der Gedankenarbeit ſind, daß 
dem gegenüber die modernen Sprachen, die bekanntlich in der Haupt- 
jac<he der Form nac<F die Gedanken unmittelbar aneinanderreihen und 
nicht wie die alten von einander abhängig erſcheinen laſſen, auf das 
Gemüth und das Denkvermögen des Schüler3 einen weniger lebhaften, 
nachhaltigen Eindru> üben müſſen. Dazu kommt der Unterrichtsſtoff 
ſelbſt, Unſere moderne Literatur, beſonders die franzöſiſche und eng- 
liſche, die ich dabei hauptſä<hlim im Auge habe, birgt doh in mancher 
Beziehung nicht jo nachhaltig den Geiſt der Vertiefung wie diejenige 
des Alterthums, welche unwillkürlich, wenn auch die Beſchäftigung mit 
der Lettüre zum Theil ſcheinbar nur dem äußeren Lehrzwe> dient, 
unmittelbar vom 10., 12., 14, Lebensjahre an ſih mehr und mehr 
an das Gemüth des Schülers wendet und deshalb auc< viel nach- 
haltiger auf das weitere Leben zurück wirkt. I< mödte ſagen, dieſes 
Studium der alten Sprachen iſt, da es viel mehr Fleiß und Kraft- 
aufwand erfordert al8 das der modernen Sprachen, eine ganz andere - 
Charakterſ<hule, als jie die techniſche Aneignung der äußeren Fertigkeit 
in den modernen Sprachen zu bieten vermag. Wir müſſen außerdem
	        

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