Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

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werden in dem Sinne, daß ſie zu vollſtändig dem Gymnaſium gleich- 
geſtellten Anſtalten umgeſchaffen werden. Mich leitet dabei auch ein 
anderer Geſicht8punkt. Man zieht vielfa<h Schlüſſe aus den Beobach- 
tungen, die an den jungen Leuten gemacht werden, welche die Uni- 
verſität beziehen. Dieſe Schlüſſe ſind ni<t na< allen Seiten hin 
richtig. Gegenwärtig iſt den Nealſchulabiturienten keine andere Wahl 
gelaſſen , als Mathematik, Naturwiſſenſchaft und neuere Sprachen zu 
ſtudiren. Die Folge davon iſt, daß eine ganze Anzahl ſich dieſen 
Fächern widmen, die gar keinen Beruf dazu haben, ſie hätten ganz 
gewiß eine andere Karriere eingeſ<lagen, wenn ihnen dieſelbe nicht 
verſc<loſſen wäre. 
Dann muß ich noc< einen Runkt erwähnen, der zur Sprache 
gebracht worden iſt; es wurde nämlich behauptet, es gingen heute eine 
große Anzahl von jungen Leuten auf die höheren Lehranſtalten, die 
dazu nicht geeignet wären. Wenn ich richtig gehört habe, ſo wurde 
geſagt, es ſind das namentlich diejenigen aus den niederen Ständen, 
Da ſind nun meine Erfahrungen gerade andere; die beſten, begabteſten 
Schüler, die im gehabt habe, gehörten in der Negel den niederen 
Klaſſen an. Nun iſt damit aber ein anderer Umſtand verbunden: 
der Herr Kollege Perger wies in dieſer Beziehung auf den Weſten 
hin, der Herr kennt aber die Verhältniſſe im Oſten nicht, da liegen 
ſie no< viel mehr im Argen, ES handelt ſih um die Art und Weiſe, 
wie die auswärtigen Schüler, die Schüler vom Lande in der Stadt 
untergebracht werden. Das iſt horrend, in der Regel wohnen 5 bis 6 
zuſammengepfer<t bei einer Schuſter- oder bei einer Poliziſtenwittwe, 
ſie haben dort Umgang mit Leuten, die für ſie gar nicht paſſen, ſie 
verkümmern geiſtig und körperlic< ; im habe als Shulmann Gelegen- 
heit gehabt, dies kennen zu lernen, Dieſem gegenüber muß ich an- 
führen, daß durc< die Munifizenz Seiner fürſtbiſc<öflihen Gnaden des 
Fürſtbiſ<of8 von Breslau in Neiſſe ein Konvikt ins Leven gerufen 
wurde, ErſchreFfen Sie nicht, wenn ich von einem Konvikt rede, i< 
bin überzeugt, daß , als das Geſetz, welches die Anſtalten dem Unter- 
gange weihete , erlaſſen wurde, die meiſten nicht gewußt haben, um 
was es ſic) handele, Die Schüler des Konvikts beſu<ten das König- 
lihe Gymnaſium wie die übrigen Schüler, fie waren vortrefflich auſ- 
gehoben in geſunden , luftigen Näumen , geiſtig und körperlich wurde 
für ſie in der vorzüglichſten Weiſe geſorgt. Zn dieſer Anſtalt wurden 
ſowohl Schüler aufgenommen , welche zahlten, als au< unbemittelte
	        

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