Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

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ſogenannte lateinloſe Realſchule umgewandelt iſt, in der vom Gewerb- 
lichen abſolut weiter nicht8 zu finden iſt, al8 etwas mehr Zeichnen , die 
ſic) im übrigen aber von den Realſchulen 1. Ordnung und Gymnaſien 
nur dadurch unterſcheidet, daß in ihr kein Latein gelehrt wird. Dadurc< 
nun, daß ſeitens der Gymnaſien und Realſchulen bi8her die Abi- 
turienten zur Berechtigung de8 Beſuches der Bauakademie und der 
Gewerbeakademie befugt waren, und daß nunmehr auc< die Schüler 
dieſer lateinloſen Schulen dieſelbe Berechtigung genießen ſollen, fühlte 
ſih vor 2 Jahren das geſammte Baufach verleßt, und eine Anzahl 
von mehr al8 2000 Architekten aus allen Schichten von den höchſten 
bi8 zum Bauführer herunter, hatte ſim beſ<werdeführend an das Ab- 
geordnetenhaus gewandt; aber die Unterrichtskfommiſſion, deren Ber- 
handlungen ic< beigewohnt habe, lehnte dieſe Petition faſt einſtimmig 
ab, auch zum großen Theil das Haus. Nur von Seiten des Centrums 
fand im Unterſtüßung, und namentli<h an jenem Abend war ic< 
dadur< erfreut, daß ſic< der Abgeordnete Windthorſt mit mir verband 
und für die Petition eintrat. Sie wurde aber, wie geſagt, abgelehnt, 
Nun ſehe ih zu meiner großen Freude und Genugthuung, daß ſich im 
Laufe dieſer kurzen Zeit im Lande eine ſol<e vollſtändige? Umkehr zeigt, 
(Ruf: wo denn?) -- im Lande, vielleiHt nic<t hier im Hauſe -- daß 
es dringend nothwendig erſcheint, auf dieſen Gegenſtand noch einmal 
wieder zurückzukommen. Vor zwei Jahren ſagte der Herr Negierungs- 
kommiſſar, es ſeien etwa zwölf derartige reorganiſirte Gewerbeſchulen 
ins Auge gefaßt, um in dieſe lateinloſen Schulen umgewandelt zu 
werden. Zu meiner Freude haben vier Kommunen es eingeſehen, 
daß es nicht zwe>mäßig iſt, derartige Spezialdrillanſtalten einzurichten, 
und es find jezt nur noF a<t. Wenn do<H nur die Kommunen dahin 
ihr Augenmerk richten wollten, wirklich für das Gewerbe etwas zu 
thun. (Sehr richtig!) 
Meine Herren, wir haben zweihundertfünfundvierzig Gymnaſien 
und fünfundachtzig Realſchulen 1. Ordnung, das macht ja wohl drei 
bis vier Hundert, die alle berechtigt ſind, junge Leute zum Studium 
auf die Bauakademie zu entſenden, und kein Fach iſt ſo überfüllt, wie 
gerade das Baufa<. Es iſt nachgewieſen, daß jetzt die Bauführer, 
wenn ſie alle ihr Examen gemacht haben , fünfundzwanzig Jahre auf 
eine Staatsauſtellung warten müſſen, und deſſen ungeachtet fügt man 
dieſen 245 reſpektive 85 Anſtalten noH neue Anſtalten hinzu, die eine 
einſeitige Ausbildung den jungen Leuten geben ſollen. Sc<hon damals
	        

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