Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

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viel gerade auf einem Gebiete, in welchem jene fremden Sprachen ſich 
freierer Bewegung erfreuen als die deutſ<e, Wenn der Franzoſe 
ſagen darf: 1a mise en accugation du cabinet, ſo ſteht es dem 
Deutſchen dom nicht zu , dies wörtlich wiederzugeben : „die Verſekzung 
in Anklagezuſtand des Cabinets"; ſondern er muß es umſtellen in: 
„die Verſezung des Cabinets in Anklagezuſtand," Als andere Bei- 
ſpiele führen wir an: „Die Zurückweiſung in einer officiöſen Notiz 
gewiſſer Verdächtigungen gegen den Geſandten" ; „Nußland ſoll geneigt 
ſein zu einer vorerſt militäriſchen Verhandlung zwiſc<en den beider- 
ſeitigen Oberbefehl8habern in Europa und Aſien wegen einer Waſſen- 
ruhe"; „Die telegraphiſc< gemeldete Bezeichnung ſeitens der Türkei 
auf der Conferenz eines Grenzortes für die griechiſch-türkiſchen Ver- 
handlungen würde die frühern Nachrichten beſtätigen"; „Geſtern fand 
das zweite badiſche Kriegerfeſt ſtatt zur Feier der Uebernahme durch 
ven Großherzog des Protectorats über den Verband der badiſchen 
Kriegervereine“; „Die taucherartige Vertrautheit mit dem Waſſer der 
unverſehrten nervigen Körper". Noch ſchlimmer ſteht e8 um manche 
Participialverbindungen: „das entſtellte Cbenbild Gottes im Menſchen 
durc< die Sünde"; oder was uns unlängſt vor Augen kam: „man 
fand bei den Nihiliſten Exploſion8waffen und geſ<hmiedete Mordpläne 
gegen höhere Staat3beamte“. Nicht grammatiſch falſh, wohl aber 
des Mangels an Ueberſchaulichkeit und des Mißklangs wegen zu ver- 
meiden iſt die dur< Häufung präpoſitionaler Beziehungen entſtehende 
Einſ<hac<htelung. Den von Andreſen gegebenen Beiſpielen fügen wir 
eins hinzu, das uns in einer Nachricht über den Tod des Vrinzen 
Napoleon angenehm überraſchte: „Er fiel in einem Buſchklepperkriege 
unter den Hieben eines mit einer an einem Stod>e befeſtigten Meſſer- 
ſpie bewaffneten Wilden.“ Der Saß behagte uns ſo ſehr, daß wir 
ihn gleich zweimal laſen, und wir bedauerten nur, daß der Shürzer 
des bewundern5werthben Knotens nicht noch eine Schlinge hineinge- 
arbeitet hatte: „er fiel unter einem von einem mit einer an einem 
Sto>e befeſtigten Meſſerſpiße bewaffneten Wilden geführten Hiebe". 
Schwerlich iſt eine Sprachſünde, unter Gelehrten und Ungelehrteu, 
weiter verbreitet als die falſche Stellung des Ausſageworts in einem 
dur< und beigeordneten Saße; ein Fehler, der von allen Grammati- 
kern aufs ſchärfſte gerügt wird und dem Lehmann gar ſe<zig Seiten 
widmet. Möge es ſolher Gründlichkeit gelingen, das Unkraut auszu- 
tilgen! Am üÜppigſten wuc<ßert es wohl in amtlichen Erlaſſen und
	        

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