Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

-. 329 =- 
laute übel klingen, Bei Schweizer, wo eine Ausnahme geſtattet 
ſcheint, obwohl man nicht leiht anders hört als die „ſchweizeriſche 
Eidgenoſſenſ<aft“, wird auf den Stadtnamen Schwyz zurückzugehen 
jein; der „Schweizer Käſe" iſt wahrſcheinlich verantwortlich für den 
„Holländer Käſe“, zu deſſen Gunſten mildernde Umſtände ſich nicht 
nachweiſen laſſen. Ungemein widerwärtig iſt die Bildung „Nuhrer 
Steinkohlen", ſtatt Nuhr-Steinkohlen, oder no< beſſer Ruhrkohlen. 
Ruhrer Kohlen ſind nicht beſſer als Lahner Erze, Oderer Krebſe und 
Mainer Weinberge. Mit den Adjectiven von Flußnamen iſt es über- 
haupt im Deutſchen „man ſwak beſteilt", und wir Rheinländer dürfen 
dem Sprachgenius danken, daß er unſerm! Rhein das ſchöne Wort 
rheiniſc< geſ<enkt. Weſer, Oder, Spree und ſo viele andere Flüſſe 
entbehren jolc<es Borzug8, und aug die Donau muß eine Anleihe 
beim Lateiniſchen machen, wenn ſie ſich das Adjectiv danubiſch zu- 
legen wil. Die Elbe genießt den kleinen Vortheil vor anderen 
Strömen, daß ſie wenigſten38 die Ableitungen nordelbiſ< oder nordal- 
bingiſ<, weſtelbiſc< u, ſ. w. aufweiſt. Unter allen Flüſſen aber hat 
allein die Moſel es wagen dürfen, ein Subſtantiv auf ex zu bilden, 
und auch dieſes nur zu beſchränktem, keinesfalls zu adjectiviſchem Ge- 
brauche; denn wer ſeine Mutterſprache derart beleidigt, daß er von 
„Moſeler Weinen“ ſpricht, iſt nicht werth, daß ihm je ein Tropfen 
Berncaſteler Doctors die Lippen neße. 
Wir ſchließen hiermit unſere Ausleſe von Sprachſünden; freilich 
in dem Bewußtſein, nur einen kleinen Theil des reichen Stoffes 
geſtreift zu haben, den die eingangs genannten Werke bieten. Den- 
jenigen unſerer Leſer aber, die verzweifeln möchten ob der ſ<arfen 
Kritik, welche die gelehrten Sprachforſcher an das geſchriebene Wort 
legen, möchten wir zum Abſchied einen Troſt auf den Weg geben: 
unfehlbar iſt niemand , ſelbſt nicht die Päpſte, die vom hohen Throne 
der Wiſſenſ<aft ihren Syllabus gegen die Sprachkeßer in die Welt 
ſenden, Einige Beiſpiele mögen dieſen Troſt erhärten : 
Profeſſor Andreſfen beginnt das Vorwort ſeines Werkes mit 
dem Satze: „Dieſes Buh iſt großentheils aus Vorleſungen entſtanden, 
welche im über deutſ<e Grammatik und deutſchen Stil an der hieſigen 
Univerſität gehalten habe.“ Honcamp (Anſchauungen und praktiſche 
Uebungen zur Bildung des deutſ<hen Stils) ſpricht in 8, 18 die 
Mahnung aus: „verwechsle nicht die attributive und die objective 
Beziehung miteinander“, und führt als fehlerhaftes Beiſpiel an: „I<
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.