Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

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„Man vermeide die Wiederholung derſelben Präpoſition zur Bezeich- 
nung nicht nebengeordneter Verhältniſſe“, z. B. „das ſteht in einem 
Leitartikel in der Volks8zeitung“, Jm Verlaufe deſſelben Saßes giebt, 
wie wir hier nict weiter ausführen wollen, eine mit „unberührt“ 
eingeleitete Participialconſtruction Anſtoß; jedenfalls kann ſie vor 
Lehmanns ſtrenger Regel (S, 145) nicht beſtehen. Einen gröberen 
Fehler, den wir faſt einen Donatſc<hnizer nennen möchten, bringt das 
beſondere Vorwort zu der großen Aus8gabe. E3 heißt dort : „Gleich- 
wohl mußten mich zahlreiche aus allen Gegenden des Vaterlandes und 
über deſſen Grenzen hinaus unausgeſeßt an mich ergehende Anfragen 
überzeugen Uu. ſ. w," Laut dieſer Mittheilung ergehen an den Ver- 
faſſer Anfragen 1) aus allen Gegenden des Vaterlandes, 2) über deſſen 
Grenzen hinaus. Wenn Anfragen über die Grenzen des Vaterlandes 
hinaus an ihn ergehen, ſo befindet er ſi< jenſeit der Grenzen; nun 
datirt ex aber ſein Vorwort aus der zu Alldeutſchland gehörenden 
Stadt Altſtreliß, befindet ſim alſo gleichzeitig diesſeit der Grenzen, 
Mithin hat Herr Sanders das Vermögen, an zwei Orten zugleich zu 
ſein, oder --- er hat ſich fehlerhaft ausgedrü&t und die Worte „und 
über deſſen Grenzen hinaus“ ſchweben ohne ſyntaktiſchen Halt in der 
Luft. Strengere Richter als wir würden auc< über das Particip 
„ergehende“ mit Herrn Sanders rechten ; denn die Ueberzeugung wurde 
nicht durch die bis jezt unausgeſeßt an ihn ergehenden, ſondern durch 
die bis zum Eintritte der Ueberzeugung an ihn ergangenen Anfragen 
bewirkt. Aber, wie angedeutet, uns iſt die Goldwage jener ſtrenger 
Richter zu fein, als daß wir ſie im alltäglihen Gebrauc<e verwenden 
möüdhten. 
Profeſſor Keller ſchreibt im Vorwort: „Die Unterhaltung 
(über die Verdorbenheit der deutſchen Sprache) geräth ins Stocken 
oder werden Dinge als fehlerhaft bezeichnet, die ihre gute Begrün- 
dung haben.“ Hier ſpringt dieſelbe unzuläſſige Wortſtellung ins Auge, 
die von Lehmann yo ſcharf verurtheilt worden iſt, (S. 120, Anm. : 
„Dieſelben Zuſammenziehungsfehler wie bei und treten au<h bei aber, 
ſondern, oder hervor.) Jn Wilmanns' Deutſ<her Grammatik, 8. 75, 
heißt es kurz und bündig : „Keinen Einfluß auf die Wortſtellung üben 
aus: und, oder, allein u. ſ, w.“ Und Beer, 8, 299, erklärt: 
„naß oder hat niemals Znverſion des Hauptſaßes ſtatt.“ Durch 
Umſtellung („oder Dinge werden“) oder dur< Einſchiebung von es 
(„oder es werden Dinge“) wäre dem Fehler abgeholfen. Jn der Ein-
	        

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