Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

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ſein, in einer Anzeige den mythologiſhen Standpunkt des Heraus- 
geber3 zu beſtreiten, nur das möchten wir bemerken, daß e8 uns nicht 
angemeſſen erſcheint, auc< in einer populär gehaltenen Einleitung 
Sdhellings poſitive Philoſophie ganz bei Seite zu laſſen, während man 
in Commentaren nicht unterläßt, die mannichfachſten Erklärungen an- 
zuführen, auc< wenn man von ihrer Unrichtigkeit überzeugt iſt. Gegen 
die oben angeführte Auffaſſung des Apollo und des Dionyſos legt 
Scellings Philoſophie der Mythologie entſchieden Proteſt ein, denn, 
wie Conſtantin Frank in ſeinem trefflihen Buche „Scellings poſitive 
Philoſophie, nam ihrem JInhalt, wie nac< ihrer Bedeutung für den 
allgemeinen Umſchwung der bis jeht no< herrſ<henden Denkweiſe ſür 
gebildete Leſer dargeſtellt" bemerkt (Theil 11, S, 113), na< Schelling 
iſt die Sonne allerdings ein Symbol des Apollo, nicht aber umgekehrt 
Apollo eine Perſonification der Sonne oder der in derſelben ſich mani- 
feſtirenden Himmelskräfte, ſondern ein geiſtiges Weſen, wie ſchon ſein 
Verhältniß zu den Muſen zeigt. Und Dionyſos hat nac< Schelling 
für die mythologiſ<he Welt dieſelbe Bedeutung wie der Meſſias für 
das Judenthum. Er iſt das von der ausſhließenden Herrſchaft des 
Himmels8gottes befreiende und erlöſende Prinzip, worauf auch ſein 
Name Lyſios der Erlöſer hinweiſt. Schelling ſieht in dem Dionyſos- 
Mythos nur eine höhere Entwi>lung des Heracles-Mythos. Wie man 
freilich in England im Allgemeinen über Schellings poſitive Philoſophie 
urtbeilt, kann man aus Max Müllers Eſſay8 erſehen, wo Band 11, 
S. 139 über Schelling das Urtheil gefällt wird, daß ſeine Thatſachen 
und Theorien allen Geſetzen geſunder Forſchung Hohn bieten und daß 
ſeine Sprache ſo verworren und unlklar iſt, daß ſie des Jahrhunderts, 
in dem wir leben, nicht mehr würdig iſt.“ *) 
An das Kapitel über den Dionyſo8mytho8 ſchließt ſi< in 8. 2 
ein gut geſchriebener Nü>bli> auf die Darſtellungen deſſelben bi38 zur 
Zeit des Euripides, der uns keinen Anlaß zu Bemerkungen giebt. Der 
folgende 8. 3 handelt von dem Aufenthalte des Euripides in Mace- 
donien, 8. 4 giebt die Jnhalt8angabe des Stü>es und einiges Sceniſche. 
Bemerken3werth iſt die Abweichung von Wedlein in der Abgrenzung 
 
*) Conſtantin Franz erwartet von dem Cinfluß von Scellings poſitiver 
Philoſophie ſogar eine Umgeſtaltung des Gymnaſial-Unterrichts. Dazu werden 
von vornherein ſol<e Pägagogeun ungläubig den Kopf ſchütieln, für welche die 
lateiniſchen und griechiſchen Extemporalien die höchſte Leiſtung des Gymnaſial- 
unterrichts ſind.
	        

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