Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

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bezeichnen zu dürfen. Der Verfaſſer hält Schulbücher mit aphoriſtiſcher 
Darſtellung der Beweiſe und vielen Paragraphencitaten für nicht geeignet, 
um auch bei den minderbegabten Schülern einer gefüllten Klaſſe be- 
friedigende Leiſtungen zu erzielen, und er hat des8halb überall die Be- 
weiſe und Auflöſungen mit einer Ausführlichkeit angegeben, welche dem 
Referenten entſchieden über das richtige Maß hinauszugehen ſcheint. 
Wenn es als eine der hauptſählichſten Aufgaben des Unterrichts be- 
trachtet werden muß, den Schüler zu eigener, ſelbſtſtändiger Thätigkeit 
allmählich hinüber zu leiten, ſo darf das Lehrbuch nicht ſo angelegt 
ſein, daß es demſelben alle und jede eigene Denkarbeit neben der 
Aneignung und Reproduction des Geleſenen abnimmt und ſelbſt dem 
unterrichtenden Lehrer kaum eine andere Arbeit überläßt, als den mehr 
oder minder wörtlichen Vortrag deſſen, was im Buche ſteht. Referent 
ſteht in dieſer Frage auf einem anderen Standpunkt als der Verfaſſer, 
aber auch wenn er bei der Beurtheilung des vorliegenden Werkes ge- 
bührendermaßen von ſeiner perſönlichen Anſicht abſieht und ſic< möglichſt 
auf den Standpunkt des Verf. ſtellt, kann er gleihwohl nicht von der 
Meinung abgehen, daß leßterer in gedachter Hinſicht des Guten zuviel 
gethan habe. So muß beiſpiel8weiſe ein Schüler, der bis zur Kreis- 
meſſung vorgedrungen iſt und die S, 199 behandelte Aufgabe gelöſt 
hat, aus der Seite a eines gleichſeitigen Dreie&8 den Flächeninhalt 
F= + a? V'3 deſſelben zu berechnen, e8 nicht nöthig haben, daß 
ihm behufs Löſung der umgekehrten Aufgabe die folgende umſtändliche 
Entwi>elung vom Lehrbuch gegeben wird : 
 
 
2 V3= 
V3 3V3 3 
= Vr V3 FV3 
an 3002 3 
Derſelbe muß vielmehr im Stande ſein, dieſe Auflöſung, ebenſo wie 
auh die vorhergehende, völlig ſelbſtſtändig und im Kopfe zu machen, 
und zwar in kürzerer Zeit, als er braucht um den Entwicelungsgang 
des Lehrbuchs Schritt für Schritt nachzuſehen. J< habe dieſes Bei- 
ſpiel einer ohne Wahl aufgeſc<hlagenen Seite entnommen, ähnliche 
ließen ſich in großer Menge aufführen, 
Auch in Betreff des Umfangs des ſahlihen Jnhalts huldigt der
	        

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