Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

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wie man künſteln muß, um ſie zu vereinen. =“ Ganz regelmäßig hat 
ein und derſelbe Lehrer beide Unterrichtsfäher in der Hand; in einem 
Fache aber kann derſelbe nur bedeutend ſein, das andere wird beian 
betrieben, und welches das iſt, liegt auf der Hand, wenn wir die 
Praxis verfolgen, welche bisher an den meiſten Univerſitäten geübt 
ward. Es kann noh jeßt in Preußen vorkommen, daß ein Candidat, 
welcher die volle facultas docendi in der Geſchichte erlangt, dagegen 
wegen völliger Ignoranz auf dem Gebiete der Erdkunde ausdrü>lich 
von der Königlihen Prüfungs-Kommiſſion bezeugt bekommen hatte, er 
dürfe „in Geographie nicht unterrichten", al8bald von Staats5wegen 
al8 Geographielehrer an einem Gymnaſium eingeſtellt wird, weil ja 
in den höheren Klaſſen der preußiſhen Gymnaſien die geographiſche 
Repetition eben nur „jede zweite oder dritte Woche" reglementsmäßig 
den Geſchicht3unterri<t unterbricht. 
Es darf allerdings dur<aus nicht geſchloſſen werden, daß eine 
völlige Trennung beider Wiſſenſchaften uns erwünſcht erſchiene; es 
wäre ein Jrrweg, wenn die Erdkunde eine rein naturwiſſenſc<haftliche 
Disciplin ſein wollte, wie vor Kurzem ein namhafter Hiſtoriker ſich 
vernehmen ließ. Zn Humboldts und Ritters Wegen geht unſere Wiſſen- 
ſhaft unbeirrt weiter, und Oskar Peſchel ſelbſt iſt als Hiſtoriker ein- 
getreten in das Gebiet der Erdkunde. Er ſelbſt äußerte : nie darf das 
Band zwiſchen Geſchihte und Erdkunde gelöſt werden, wenn nicht beide 
geſhädigt werden ſollen. Aber die Erdkunde bedarf der Geſchichte 
weit weniger als umgekehrt die Geſchi<te der Erdkunde. Wir können 
ein Land wohl phyſikaliſch dur<gehen, ohne die Geſchichte heranzuziehen, 
die Geſchichte aber kann nie die politiſ<en Verhältniſſe eines Landes 
wiſſenſchaftlich zu erklären verſuchen, ohne die phyſikaliſchen Verhält- 
niſſe deſſelben eingehend zu berücſichtigen. 
Weit enger aber iſt die Erdkunde einer anderen Disciplin ver- 
hunden =- den Naturwiſſenſ<haften. Iſt ſie ſelbſt do<m ihrem Weſen 
naß eine Darleguug des Zuſammenhangs aller Naturwiſſenſchaften 
auf ihrem gemeinſamen Boden. Man darf hier nicht jondern, was 
gehört zu dieſer naturtviſſenſchaftlihen Dis8ciplin, was zu jener, in der 
Erdkunde ſind ſie alle eins und wir ſehen ſie nur als beſondere Wiſſen- 
ſchaften abgetrennt na< dein Prinzip der Arbeitstheilung, Darum 
iſt die Erdkunde als Hülfswiſſenſhaft noF weit dringliher zu den 
Naturwiſſenſchaften zu ziehen als zur Geſchichte; neben eigentlichen 
Fachlehrern der Erdkunde (mit mittlerer Facultas für Naturwiſſen-
	        

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