Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

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IV. Bädagogiſche Zeitung, 
A. Chronik der Sculen. 
Preußen. Berlin. Jubelfeier des Friedrich8-Werderſhen Gym- 
naſiums. - 
Das Friedri<hs-Werderſ<e Gymnaſium zu Berlin begeht Ende September 
die Feier ſeines 200jährigen Beſtehens. Al3 erſte Einleitung derſelben mag das 
Erſcheinen zweier ausdrüelich für dieſes Feſt verfaßten Schriften gelten, nämlich * 
die Feſtſchrift des Lehrerkollegium8, welche ſich aus Beiträgen ſämmtlicher feſt- 
angeſtellten Lehrer der Anſtalt zuſammenſeßt, und die Geſchichte des Gymna» 
ſiums, vom Oberlehrer Dr. C. A. Müller (beides erſchienen bei Weidmann). 
Daß namentlich die letztere für alle ehemaligen Schüler des Werders ein ganz 
hervorragendes Intereſſe hat, bedarf kaum der Erwähnung; wir glauben aber 
auch der Theilnahme weiterer Kreiſe gewiß zu ſein, wenn wir aus der friimg 
und anregend geſchriebenen „Biographie“ der ehrwürdigen Anſtalt, der viert- 
älteſten Berlins, (denn Joachimsthal, Kloſter und Köln können ſich no< höheren 
Alters rühmen) das Weſentlichſte und Intereſſanteſte in gedrängter Form zu- 
ſammenſtellen, wobei wir aber nicht unterlaſſen wollen, zur Lektüre des Buches 
ſelbſt aufzufordern ; es iſt ein gut Stü& Berliner Geſchichte, namentlich Kultur- 
geſchichte, welhes uns der kundige Verfaſſer vor Augen führt, indem er die Ent- 
wiFelung des Gymnaſiums ſchildert. Gegründet unter dem Großen Kurfürſten, 
deſſen Kriegsruhm faſt von ſeinen Verdienſten für die innere Entwi>lung des 
Staates verdunkelt wird, und jeht nach zwei Jahrhunderten unter der Regierung 
des erſten deutſchen Kaiſers noch beſtehend in prächtiger Blüte, ſoll das Gym- 
naſium da nicht ſtolz ſein können? Und welchem ſeiner Schüler will man es 
verdenken, wenn er, wie Verfaſſer dieſes Referats in freudiger Genugthuung- 
befennt : Anch' io 80n0 Werderano! . 
Die Schule trägt ihren Namen von dem Stadttheil, in welchem ſie ſich ur- 
ſprünglich befand. Während nämlich die jehige Haupt- und Reſidenzſtadt bis 
zum Jahre 1656 bekanntlich aus den beiden ſelbſtſtändigen Städten Berlin und 
Kölln beſtand, und der ſogenannte „Werder“ = eine weſtlich von Kölln gelegene 
aus zwei Theilen beſtehende ſumpfige Jnſel =- faſt unbewohnt war, änderte ſich .. 
dies, als der Große Kurfürſt beſchloß, Berlin und Kölln mit planmäßigen Feſtungs- 
werken zu umgeben und daher auch den Werder in dieſelben einſchließen mußte. - 
Die Inſel wurde. nun Privatperſonen zum Bebauen überlaſſen, na<dem 
„Sr. Kurfürſtl. Durchlaucht die Gaſſen darinnen abſtechen laſſen" und durch 
Brivilegium vom 19. September 1660 den Stadttheil „dero hohen Namens ge- | 
würdigt". "Daraus ergiebt ſich, daß der Name des Gymnaſiums „Friedri<s- 
Werderſches" ſein muß, und nicht „Friedrich-Werder“, wie ſogar über dem Portal 
des Gebäudes in der Dorotheenſtraße heutigen Tages zu leſen iſt. Der neuan* 
gelegte Stadttheil wuchs ziemlich ſchnell und zählte 1666 bereits 92 Häuſer: 
ſpäter erhielt er ſogar einen eigenen Magiſtrat und daher auch ein eigenes Rath- 
haus: die jehige „Alte Münze“ am Werderſchen Markt. Zn demſelben Gebäude 
befand ſich auch „die Kirche vor die Friedrichswerderſ<e Gemeine" =- eine Schule 
war aber no< nicht vorhanden. |
	        

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