Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

-. 587 = 
Beſoldung - « » . - 4H9 Til 
Aus der Acciſe « . » 47 Thlr. 8 Sgr. 
Rekordation8gelder - - 18 Thlr. (im Durſchnitt). 
Für Leihen « - + - 17 Thlr. 
Summa 541 Thlr. 8 Sgr. 
Der Prorektor erhielt 374 Thlr. 16 Sgr., der Konrektor 347 Thlr. 8 Sgr., 
ver Subrektor 191 Thlr. 7 Sgr., der Kantor 267 Thlr., der Bakkalaureus und 
Organiſt 228 Thlr. und der Schreibmeiſter gar nur 86 Thlr. 11 Sgr. 
Mit dem erſten „Direktor“, Friedrich Gedike, beginnt nicht nur ein neues 
Sökulum für die Schule, ſondern vor allen Dingen eine Zeit des Glanzes, der 
herrlichſten Blüte. 
„Unter allen Shulmännern, welche Preußen im vorigen Jahrhundert auf- 
zuweiſen gehabt hat, iſt keiner von ſo hoher Bedeutung für das geſammte Sc<ul- 
weſen, keiner ſo einflußreich auf viele Jahrzehnte hinaus geweſen, als Friedrich 
Gedike." Mit dieſen Worten höchſter Anerkennung leitet Dr. Müller ſeine Be- 
ſprehung von Gedike's Thätigkeit als Direktor des Friedrich8-Werderſ<hen Gyme- 
naſiums (1779--93) ein. Und wahrlich, dies Lob findet man vollauf beſtätigt, 
wenn man die Leiſtungen dieſes raſtlos thätigen Mannes ins Auge faßt. Mit 
21 Jahren war er Subrektor, mit 24 gar Direltor der Anſtalt = „ein Jüngling 
(wie er fich in einer Rede ſelbſt nennt), der ſoeben erſt die Hörſäle ſeiner Lehrer 
verlaſſen, ein Züngling ohne alle Erfahrung und Menſc<enkenntniß, aber voll 
Wünſche, voll Enthuſia8mus, voll Rieſenpläne, voll Ungeduld." Bald aber er- 
warb er ſich die Achtung des Publikums, die Gunſt ſeines ECtatsminiſter8 von 
Zedlitz, und ſeiner am Anfang vom Ende ſtehenden Anſtalt von Neuem das Ver- 
trauen des Publikums. Er errang nun auch na< einander Ehren, Würden und 
Aemter in großer Zahl. Zm Jahre 1784 wurde er Ober-Konſiſtorialrath, 1787 
Ober-Schulrath in dem auf den Vorſchlag des Miniſters neu errichteten Ober- 
Sculkollegium, 1790 Mitglied der königlichen Akademie der Wiſſenſchaften und 
Aſſeſſor der Akademie der Künſte, 1791 Mitdireltor des damals vereinigten Ber- 
liniſhen und Köllniſchen Gymnaſiums, gleichzeitig Doktor der Theologie und 
1793 Direktor der eben genannten vereinigten Anſtalt. Die Frequenz de3 Wer- 
derſchen Gymnaſiums ſteigerte er von 94 Schülern auf 311, ſo daß ſie ſogar 
die des Berliniſh<hen Gymnaſiums (zum grauen Kloſter) erheblich überſtieg. Tref- 
fend ſagte ſein ſpäterer Amt8nac<hfolger Bonnell von ihm: „Er war nicht nur 
der Geſeßgeber für ſeine Schule, ſondern die Alles belebende Seele.“ Sein 
Grundſaß war: Vergehungen lieber zu verhüten, als zu beſtrafen. „Die 
Disciplin," ſagt er, „muß ſchlechterdings auf feſtgeſtellten pſyhHologiſhen Grund- 
ſäßen beruhen, nicht auf augenbli>lihen Launen und hin und her wankenden 
Einfällen. Wir ſuchen die Mittelſtraße zwiſchen tyranniſ<her Strenge und 
anarhiſcher Licenz zu halten. Wir behandeln unſere Lehrlinge als freie Ge- 
ſc<öpfe, die, um von ihrer Freiheit zwe>mäßigen nüßlichen Gebrauch zu machen, 
nicht angekettet, aber wohl geleitet ſein wollen, und ſuchen eben darum, freiki 
na<h Maßgabe des Alters nnd der erlangten Aufklärung, mehr auf ihren Willen, 
als auf ihre Sinnlichkeit zu wirken. Wir behandeln den Knaben als Knaben, 
'ven Züngling als Jüngling." Dieſe vortrefflichen Maximen, bei denen der Ein- 
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