Full text: Pädagogisches Archiv - 23.1881 (23)

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nicht ganz unbetheiligt an dem geiſtigen Zuſammenhang iſt dieſe Stätte der 
Wiſſenſchaft, dieſe Univerſität hier, wo ſchon 1816 Bopp wirkte. Mit ihm zu- 
ſammen wirkten Humboldt, Schlegel, und dieſen ſchloſſen ſich an die großen 
Meiſter Crnſt Renan, Max Müller, A8coli, die wir unter uns haben. Als dieſe 
Univerſität 1810 begründet wurde, hatte ſie noh keinen Lehrer für orientaliſche 
Sprachen; heute haben wir viele Lehrſtühle dafür, und mit deren Vermehrung 
wuchs das Intereſſe für die Sache. Auc< unſere Sammlungen ſind in ſteter 
Zunahme. Was Baſtian und Jagor begonnen, haben Schliemann und Andere 
fortgeſeßt. Ueberall finden ſie Anregung, vielleicht auch Befriedigung. Auf dem 
Gebiet der Unternehmungen ſprechen wir neidlo8 die Palme dem Auslande zu, 
und doch leiſteten auch hierin Hervorragendes unſere Curtius, Schliemann, Hu- 
mann. ÜUeberall finden ſich Jünger der Wiſſenſchaft, aber auch immer neue Auf- 
gaben treten hervor, immer neue Probleme. Gin Volk reicht willig dem andern 
die Hand zu gemeinſamem Schaffen, und keine Nebenbuhler kennt die Wiſſen- 
ſchaft, nur Mitarbeiter. Möge Alles, was Sie beginnen, gut ſein und Jhnen 
gelingen; ich heiße Sie auf's Herzlichſte willkommen ! 
Die Verſammlung applaudirte hocherfreut. 
Präſident Dr. Dillmann. Nah den ſchönen, ſ<wungvollen Worten des Herrn 
Kultusminiſter3 glaube ich im Sinne des Kongreſſes zu handeln, wenn ich dem 
Miniſter v. Goßler Dank ſage für die Ehre, die er uns erwieſen hat. (Lebhafter 
Beifall). Sodann habe im dem Kongreß im Namen des leitenden Komitee3 ein 
herzliches Willkommen zuzurufen. Reichen wir uns zu erfolgreichem Schaffen 
auf dem neutralen Boden der Wiſſenſchaft die Hand. Meine Herren, zufolge 
eines Beſchluſſes des Florenzer Kongreſſes beſtimmte im Frühjahr 1880 die hieſige 
morgenländiiche Geſellſ<aft, dem Berliner Kongreſſe ſollte Lepſius als Präſident 
vorſtehen. Lepfſiu38 wurde aber leider krank und deShalb übertrug man den Vorſit 
mir. Mit mir werden Sie Alle bedauern, dieſen Maun nicht hier zu ſehen. 
Nur mit Widerſtreben nehme ich die mir angetragene Ehre an; ich glaubte mich 
dey ruhmvollen Vorarbeiten für dieſen Kongreß nicht entziehen zu dürfen. Zh 
gedenfe hier unſere8 Ol8hauſen und Schott = auch ſie mußten wegen Krankheit 
zurückbleiben; und unſern Kuhn ereilte der Tod; ſeiner ſei pieiätvoll heute hier 
gedac<ht. Das Komitee iſt bemüht geweſen, Alles vorzubereiten, nur konnte Jhnen 
nach der Natur unſerer hieſigen Verhältniſſe nicht ein ſo glänzender und fürſt- 
licher Cmpfang wie z. B. in Petersburg und Florenz bereitet werden. Dieſer 
Kongreß wurde ermöglicht durc< Allerhöchſte Munifizenz, und hierfür ſpreche ich 
den Dank des Kongreſſes aus. 
Nachdem Dr. Dillmann geendet hatte, überreichten dem Kongreſſe mehrere Mit- 
glieder Geſchenke. Ch. Schefer (Paris) bringt ein Corpus inseriptionum semitica- 
rum, Max Müller (Oxford) die erſte Lieferung der Anecdota oxoniensia; Ayuſo 
(Madrid), Ascoli (Mailand), v. Gottwaldt (Kaſan), Baſtian (Berlin), de Gubernatis 
(Florenz), Thiele (Leipzig) überreichten ſämmtlich werthvolle literariſche Nova. 
Hierauf nimmt der Kongreß die Wahl der Sektionen vor und damit iſt die 
erſte Geſammtſitung geſchloſſen. | | 
Zu der afrikaniſchen Sektion des Kongreſſes reſerirte geſtern Navike über die 
von ihm veranſtaltete Redaktion de3 Todtenbuches der alten Egypter („Sortir 
de 80n jour“) und legte zwei Bände de3 Textes und der Varianten vor. Cuſt 
verla8 eine Abhandlung „über unſere gegenwärtige Kenntniß der Sprachen 
Afrikas.“ Revillout verlas eine aus dem Demotiſchen überſeßte „philoſophiſche 
- Unterhaltung des S<akals Kufi und der äthiopiſchen Kaße" und jodann über 
egyptiſche Münzen im Zeitalter der Ptolemäer. Goltvnisheff übergab die Papier- 
abdrüc>e der Inſchriften eines kürzlich aufgefundenen Duplikates des Dekrets von 
Canopus und verlas die Ueberſezung einer altegyptiſ<en Erzählung aus einem 
St. Peter8burger Papyrus | | 
„In der oſtaſiatiſchen Sektion ſprach Martin (China) über die Spuren inter: 
nationalen Rechts in Alt:China. Buſchell legte Abklatſche alt<<ineſiſcher Bild- 
werke aus den Gräbern der Familie Wu Tſiyun-ſang, San-tung vor. | 
Zu der ſemitiſchen Sektion legte Nöldeke im Namen Kiepert3 Karten von
	        

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