ihrem Grundweſen nicht verändern, ſondern nur gewiſſe
Seelengebilde ſchaffen, die in andere wieder eingehen
können.
ZU dieſen Seelengebilden beſteht auch die geiſtige
Kraft und es iſt ſo viel davon da, als davon in andere ein-
gehen kann,
11.
„O das verwünſchte Wort: Klaſſiziömus! Das Wort
hat manches Genie unter einen Schutt von Worten begraben,
ſeinen Kopf zu einem Chaos von fremden Ausdrücken gemacht
und auf ihn die Laſt einer todten Sprache wie einen Mühl-
ſtein gewälzt; e8 hat dem Vaterlande blühende Fruchtbäume
entzogen. Da ſteh'n ſie nun auf fremdem Boden und trauern
mit halbverwelkter Blüthe und ſinkenden Blättern, ſtatt daß
ſie uns Bäume hätten ſein ſollen, unter denen ihr Geſchlecht
wohnen könnte“.
(Herder 3 Fragmente zur deutſchen Litteratur. Heraus-
gegeben von Heyne. Sammlung 2 u. 3. S. 197.)
„Man muß ſjolhe Pamphlete -- es ſind Reden von Uni-
verſitätsrectoren gemeint, die ſich gegen Realſchulen aus-
ſprechen = niedriger hängen, damit alle Welt ſie jehe und
inne werde, weſſen man ſich zu dem Urtheil von Jnſtituten,
die durch ſolhe Beredſamkeit vertreten werden, zu verſehen
hat. J<4 bin der zuverſic<tlichen Hoffnung, daß wir den Tag
no< erleben, wo au<h der unberühmteſte Rector der unbe-
rühmteſten Univerſität ſich ſ<ämen wird, ſi mit jenen ab-
getretenen Reden3arten von formaler Bildungskraft, von
ethiſch- idealem Gehalt u. ſ. w. -- die glorreiche Erfahrung
aller Jahrhunderte und die perſönliche im Beſondern nicht
zu vergeſſen = an der Frage der Conſtituirung des für
wiſſenſ<haftlihe Studien vorbereitenden Unterrichts zu bethei-
ligen.
(Brief eines preußiſchen Univerſitätzlehrer8 an einen
Realſ<hulmann auf Veranlaſſung jener Rectorats-
reden.) |
1.
Verſuchen wir jeht die Reſultate unſerer Unterſuchung
auf die bildende Kraft der klaſſiſchen Sprachen anzu-
wenden. Wie Advokaten auf juriſtiſchem Gebiete man<mal die ein-