Full text: Pädagogisches Archiv - 26.1884 (26)

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Erſcheinungen auf dieſem Gebiete eine kurze Überſicht zu geben. Dies 
geſchieht zunächſt im erſten Hefte durch einen „Zur Situation“ -über- 
Ic<riebenen Leitartikel von Herrn Direktor Friedländer. Derſelbe führt 
aus, daß bei der Entſcheidung der Frage wegen der Zulaſſung der Real- 
ſchulabiturienten zum mediziniſchen Studium das Intereſſe de3 Staats 
und dasjenigen der Patienten, die doch ein Anrecht auf möglichſt fichere 
Gewährleiſtung richtiger Behandlung haben müßten, gar keine Berüc- 
ſichtigung erfahren habe. „So lange die Ärzte den Nachweis nicht zu 
liefern vermögen, daß die gegenwärtige Vorbildung zum mediziniſchen 
Studium in naturwiſſenſchaftlicher und mathematiſcher Hinſicht die beſt- 
mögliche iſt, ſollte ihrer vielfach geäußerten Abneigung gegen die Zu- 
laſſung der Realſchulabiturienten ein erheblicher Wert nicht beigelegt 
werden.“ Wenn nun auch die Entſcheidung in der ärztlichen Prüfungs- 
frage ein beklagen8werter neuer Schlag gegen die Realſchulen ſei, wenn 
auch in Elſaß-Lothringen die Realgymnaſien mit einem Federſtriche des 
Statthalters aufgehoben ſeien und in Preußen dieſes und jenes Real- 
gymnaſium in eine Anſtalt mit ausſchließlichh humaniſtiſchem Charakter 
umgewandelt oder durch Errichtung von gymnaſialen Nebenklaſjen ge- 
ſchädigt worden ſei, ſo brauchten die Realſchulfreunde einer allzu peſſi- 
miſtiſchen Stimmung doch noch nicht Raum geben; denn wenn auch die 
Regierungen ſich noch nicht zu denjenigen ganzen Maßregeln entſchließen 
könnten, welche allein eine heilſame Weiterentwickelung des höheren 
Schulweſens herbeizuführen geeignet ſeien, ſo würde doch kein preußiſcher 
Miniſter die Verantwortung auf ſich nehmen, die Exiſtenz jo vieler 
blühender Anſtalten, welche dem deutſchen Volke in den wichtigſten Be- 
ziehungen unentbehrlich geworden ſeien, ernſtlich zu gefährden. 
Das Prinzip der Einheitsſchule ſei auſgegeben. Alle verſtändigen 
Schulmänner ſeien darin einig, daß das Heil und die Löſung der Über- 
bürdungs8frage nur in konzentrierter Arbeit für wenige „Fächer geſucht 
werden müſſe. Und wenn das deutſche Bürgertum, deſſen Aufgaben im 
Staatsleben immer ſchwierigere werden, dieſen Aufgaben ſich gewachſen 
zeigen ſolle, jo könne es vor allen der Dienſte der Realjchule nicht ent- 
behren, welche die Beobachtung und den Bli> für die realen Verhält- 
niſſe ſchärfe, das Verſtändnis für die techniſchen und gewerblichen Ver- 
hältniſſe erleichtere, kurz den Bli> in die Welt richte und unmittelbar 
in die Bedingungen des modernen Lebens einführe. Es jei keinem Zweifel 
unterworfen, daß manches wiſſenſchaftliche und techniſche Gebiet verküm- 
mern müßte, wenn die realiſtiſchen Anſtalten dauernd einer ernſten Schä-
	        

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