Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

avm 6) armen 
Herr Voß (Berlin): Über die adiabatiſche Beziehung 
zwiſchen Druck und Volumen der Gaſe. 
Während das Mariotteſche Geſez die Beziehung zwiſchen Druck 
und Raum der Gaſe unter der Vorausſezung behandelt, daß die durch 
die Zujammendrückung bewirkte Wäcmezunahme, welche eine Druckerhöh- 
ung hervorbringen muß, durch Mitteilung nach außen ſich ausgleicht, 
ſtellt das jogenannte potenzierte Mariotteſche Geſet dieſe Be- 
ziehung unter der Annahme her, daß ein ſolcher Ausgleich nicht ſtatt- 
findet (adiabatiſche Beziehung). Poiſſon hat hierfür die Formel 
PV = P5Vo* gefunden, worm p und vy, po und v, zwei Paare zuſam- 
mengehöriger Werte de3 Drucke3 und Raumes, kK das Verhältnis 2 
d. h. der ſpezifiſchen Wärme des Gaſes bei konſtantem Dru zu ſeiner 
ſpezifiſchen Wärme bei konſtantem Volunten bedeutet. Dieje Formel ent- 
wickelt der Vortragende auf elementarem Wege, indem er die Zuſtand8- 
änderung des Gajes in unendlich vielen kleinſten Zeitteilchen betrachtet, 
in deren jedem eine unendlich kleine Wärmemenge zugeführt und ſofort 
wieder entfernt wird. In jedem Zeitteilchen läßt fich dann die Zuſtands- 
änderung nach dem Gay-Lüſſacſchen Geſeß über die gleiche Aus- 
dehnung der Gaſe bei gleicher Temperaturerhöhung pv = pv, (1 + at) 
ausdrücken, wodurch eine Reihe aufeinanderfolgender Werte entſteht, deren 
Grenzwert eben jene Poiſſonjche Formel iſt *). 
Herr Benec>e (Berlin, Firma Liſſer & Benecke) erklärt einige Ap- 
parate, welche zu meſſenden Verjuchen über das Parallelogramm der 
Kräfte und über die ſogenannten einfachen Maſchinen dienen ſollen und 
von Herrtt Realſchulrektor Wilhelm Neu (Neuburg a. D.) erſonnen 
ſind. Das Weſentliche ant denſelben iſt einmal der Erjaß der bisöher 
meiſt durch Gewichte hergeſtellten Kräfte durch eine Art von Federwagen 
(Dynamometer), zweitens die Möglichkeit, das Prinzip aller jener Ma- 
ſchinen, welches ja nur auf dem Gejeßz des Hebel3 und dem Parallelo- 
gramm der Kräfte beruht, auch wirklich an diejen beiden Apparaten zur 
Anſchauung zu bringen. Der erſtere Umſtand bietet unſtreitig viele Vor- 
teile dadurch, daß die Reibung3widerſtände, welche genaue Verjuche an 
ven üblichen Schulapparaten unmöglich machen, faſt vollſtändig fort- 
fallen, die Kräfteveränderung nicht ſprungweiſe, ſondern ſtetig erfolgt, 
die anzubringenden Kräfte nicht erſt nach dem erſt zu beweiſenden Ge- 
*) Die die Entwickelung wird als Programmabbandlung des Humboldt- Gym- 
naſiums Oſtern 1887 erſcheinen. 

	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.