Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

-- 149 -- 
richterſtatter die Verhandlungen einleitete *). =- In der Sißung des 
Hauſes der Abgeordneten *?) vom 21. Januar 1879 ſagte der Kommiſſar 
des Unterrichtöminiſter8, Herr Geh.-Ober-Reg.-Rat Bonitz, u. a.: „Es 
handelt ſich um eine Frage, welche ſchon ſeit Jahrzehnten im Gange iſt, 
nämlich um dieſe: iſt es überhaupt noc< möglich, daß diejenigen, deren 
Lebenöberuf weitere wiſſenſchaftliche Studien erfordert, alle auf dieſelbe 
Art allgemeiner Vorbildungsſchulen gewiejen werden? Dieſe Frage iſt 
in der That heute der Kern der Sache ; denn alle diejenigen, welche die 
in dem Vorſchlage enthaltene Realſchule von neunjähriger Lehrdauer 
ohne Latein verwerfen, müſſen konſequenter Weiſe die Realſchule mit 
Latein, die jetzige Realſchule 1. Ordnung 1?) ebenfalls verwerfen; denn, 
was ſie in ihrer Eingabe ausſprechen, es gäbe ohne klaſſiſche Bildung, 
auf deutich geſagt, ohne Kenntnis der beiden alten Sprachen, keine all- 
gemeine Bildung, ein Wort der furchtbarſten Härte =- dieſes Wort ver- 
wirft zugleich die Realſchulen erſter Ordnung; denn man kann daszenige 
Maß von Kenntniſſen der lateiniſchen Sprache, welches in dem an Real- 
ſchulen zuläſſigen Umfange der Lehrſtunden erreichbar iſt, auch mit der 
äußerſten Nachgiebigkeit in dem Gebrauche eines ſchön klingenden Wortes 
mit dem Namen der klaſſiſchen Bildung doch nimmermehr bezeichnen. 
Die Vertreter diejer Anſicht müſſen alſo dahin gelangen : Ausſchließlich 
das Gymnaſium iſt die Vorbereitung für alle, welche zu höheren Studien 
ſich vorbereiten wollen; und ſie führen hiermit in Konſequenz zum Ruin 
unſerer Gymnaſien und zur Verachtung der klaſſiſchen Bildung. Denn 
das8jenige Maß klaſſiſcher Bildung, auf welches fich dann die Schule, 
die für alles dienen ſoll, beſchränken muß, iſt ſo beſchränkt, daß 
danach die ſ<wächſten Leiſtungen der Gymnaſien in den alten Sprachen, 
über die jezt oft geklagt wird, al8 herrlich und ideal erſcheinen werden, 
gegen den Zuſtand, welcher dann eintreten muß. Dieſe Einheitlichkeit 
der allgemeinen Vorbildungs8ſchulen liegt nicht in den Intentionen der 
Unterricht8-Verwaltung ; dieſelbe hat ſich vielmehr vergegenwärtigt, daß 
die vorbereitenden Schulen ſtet8 die Hauptrichtungen und Wege im Auge 
gehabt haben, welche dann jollen eingeſchlagen werden, ohne daß dadurch 
die Aufgabe der allgemeinen Bildung in ihrem Werte irgend herabge- 
drückt werde. =- Aber man wird nicht vergeſſen dürfen, was allgemeine 
Bildung allein bedeuten kann. Der Gedanke, es ſollten die vorbereitenden 
Schulen eine allgemeine Bildung vermitteln, welche alle8 Wiſſen3werte 
umfaſſe, und es gäbe daher von Schulen allgemeiner Bildung, wie 
man oft ausſprechen hört, nur eine Art, verlangt etwas Unmögliches,
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.