Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der Auſſtellungen europäiſcher Kritiker 
zu prüfen und mit dem Mute, welchen die Überzeugung von Wahrheit 
und Recht einflößt, dem Irrtum entgegenzutreten ; dann aber auch die 
wiſſenſchaftlich gewonnene Berichtigung abfälliger Urteile ausgiebig zu 
verbreiten. 
„Glücklicherweite haben wir ein ſehr ermutigende8 Beiſpiel an den 
neueren, in zahlreichen Werken veröffentlichten Forſchungen über da3 
Mittelalter, durch welche die Macht von Einbildungen und Schlagwörtern 
gebrochen wurde, deren Gehäſſigkeit nur der Unwiſſenheit gleichkam, 
welcher ſie entſprangen. Seit der Auffindung der Quellen und der 
Verbreitung der vielgelejenen Werke von Sampelios, Paparchigopulos 
und Sathas hörte man nach und nach auf, den Byzantini8Smus als die 
tieſſte Verkommenheit und äußerſte Entartung des Griechentums8 zu 
betrachten und ihn al38 eine Periode der Zerſezung und gänzlicher Ver- 
derbni8 zu verabſcheuen.“ 
Che der Verſaſſer ſeine eigentliche Aufgabe in Angriff nimmt, gibt 
er eine ausführliche Beſchreibung Ägyptens, beſonder3 aber der ehemals 
helleniſchen Landſchaften und Städte; für Alexandrien fügt er einen 
Abriß jeiner Geſchichte von der Gründung bis zur Eroberung durch die 
Araber bei. Wa3 nun im Laufe dieſer Zeit innerhalb des alexandri- 
nmijchen Griehentums an bedeutenden Menſchen in den verſchiedenſten 
Gebieten menſchlicher Thätigkeit erſtanden iſt, das will der Verfaſſer 
in biographiſcher Behandlungsweiſe ſeinen Leſern vorführen. 
Kein Freund des menſchlichen Geſchlechts wird ſich darüber betrüben, 
wenn dem Verfaſſer die Ehrenrettung der alexandriniſchen Welt gelingen 
jollte. Bei dem rühmen3werten Gemeinſinn der Neugriechen aber dürfte 
vem Unternehmen de8 Verfaſſer und ſeiner Verleger die materielle 
Unterſtüßung nicht fehlen. C. L. 
Auguſt Schüler: Deutſcher Volksſpiegel. Gedichte aus deutſher Sage und Ge- 
ſchi<te. Bremen 1882. VII und 216 S, 2,80 M. 
Erſt jekt kommt dies Büchlein mir in die Hände, aber obwohl es 
bereit8 vor 5 Jahren erſchienen, ſo iſt e8 doch noch nicht zu ſpät, auf 
dasſelbe aufmerkſam zu machen. E38 iſt eine Sammlung von Gedichten, 
die Stoffe aus deutſcher Sage und deutſcher Geſchichte von der älteſten 
Zeit bi3 zum leßten großen Kriege behandeln, und zwar lauter eigene 
Gedichte ; man könnte ſagen, eine Sammlung von Anekdoten, ernſten 
und heiteren, bekannten und unbekannten, überlieferten und jfelbſterlebten,
	        

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