Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

 
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wird, in eine die technijſchen Operationen in den Vordergrund ſtellende 
Fachdreſſur aus8zuarten. Die Verſuchung zu ſolcher Ausartung wünſcht 
der Verfaſſer durch die Forderung zu beſeitigen, daß der Unterricht auf 
den oberſten Stuſen und in der Reifeprüfung eine fich an größeren Auf- 
gaben bethätigende zuſammenhängende Anwendung des erworbenen Wiſſens 
zum Ziel hat, und möchte eine derartige Geſtaltung des Unterricht3 um 
jo mehr befürworten, als er in derſelben auch ein <arakterbildendes 
Moment zu finden geneigt iſt. 
Eine natürliche Folge der Vorſchläge de8 Verfaſſer38 würde die jein, 
daß der mathematiſche und phyſikaliſche Unterricht fich auf der oberſten 
Stufe einigermaßen verſchmelzen. Dies würde auf dem Realgymnaſium 
ſich äußern im Fortfall der ſelbſtändigen ſogenannten phyſikaliſchen 
Prüfungsarbeit, die in Wahrheit nur eine für die eigentlich phyſikaliſche 
Durchbildung wenig beweiſende Anwendung der Mathematik vorſtellt. 
Auf dem Gymnaſium, wo das geringere Ziel des mathematiſchen Unter- 
richts erlauben würde, die eigentliche mathematiſche Techmk vor dem 
Eintritt in Ober-Prima abzuſchließen, fände ſich durch die gedachte Ver- 
jchmelzung von ſelbſt ohne Überlaſtung der Schüler die Zeit für ge- 
wiſſe, ſchon oben bei Beſprechung des deutſchen Aufſaßes angedeutete 
Aufgaben, die dem phyſikaliſchen Unterricht neben der mathematiſchen 
Löſung ſeiner Spezialprobleme obliegen. Der Verfaſſer meint damit 
freiere, von einem allgemeineren Geſichtspunkte aus anzuſtellende Er- 
örterungen über paſſende Stoffe, deutſche Auffäße über phyſikaliſche 
Themata, bei denen fich die Fähigkeit des Schülers zu zutreffendem 
und angemeſſenem Urteil um ſo beſſer zeigen kann, wenn der Unterricht 
die geſchichtliche Entwickelung unſeres Wiſſen3 auf dem Gebiete der exakten 
Wiſſenſchaften nicht unberückſichtigt läßt. 
Vorſchläge zu einer rationellen Geſtaltung des mathematiſch-natur- 
wiſſenſchaftlichen Unterricht8 auf Grund einer veränderten Schulorgam- 
ſation wird der Verfaſſer weiterhin (Nr. 7 und 8) noch näher aus ein- 
ander zu ſezen Anlaß haben. 
-- 
Ds 
E3 erübrigt noch einige Worte über den Religionsunterricht zu 
ſagen. Der Verfaſſer iſt der von vielen =- 3. T. nicht8 weniger als 
antkirchlich geſinnten --- Pädagogen geäußerten Anſicht, daß dieſer Unter- 
richt8gegenſtand aus den höheren Klaſſen des Gymnaſium38 überhaupt 
verbannt werden ſollte. Nicht als ob er den Wert einer Ptttlich - rel1-
	        

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