Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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logiſche zu bezeichnen ſein =- Bezeichnungen, die allerdings den Kern 
der Sache nicht ganz treffen, da ſie ſtatt von der Art der Auffaſſung 
von den Stoffen entlehnt ſind, an denen die beiden Auffaſſung3weijen 
ſich in beſonders deutlicher Art zu manifeſtieren pflegen. Dieſe ſind 
aber an ſolchen Stoff keine8wegs gebunden, wie es denn eine mathematiſche 
Art der Geſchicht8betrachtung, ja ſelbſt eine mathematiſche -- 3. B. bei 
Böc>h unverkennbare und bei Graßmann begreiflicherweiſe beſonder3 aus- 
geprägte =-- Auffaſſung der philologiſchen Disziplinen gibt, während 
andererfeit8 gerade in der Gegenwart durch die mathematiſchen Unter- 
juchungen vielfach ein gewiſſer philologiſcher Zug geht. Der erwähnte 
Duali8mus iſt aber auch auf allen anderen Gebieten menſchlicher Geiſte3- 
thätigkeit zu verfolgen, dergeſtalt, daß man in den meiſten Fällen die 
geiſtige Richtung eines Menſchen mit ziemlicher Sicherheit einer der 
beiden aufgeſtellten Kategorieen einzureihen in der Lage iſt. Natürlich 
wird damit nicht geleugnet, daß univerſeller beanlagte Naturen ſich von 
der in ſolcher Richtung immerhin liegenden Einſeitigkeit mehr oder weniger 
frei erweiſen werden, dieſe werden aber die Minderheit bilden. 
Freilich wenden die Freunde der Einheitsſchule ein, daß dieje Ver- 
ſchiedenheit der Geiſte3richtung kein Grund ſei, die einheitliche Ausbildung 
zu beanſtanden, in der ſie ein Schußmittel gegen die einſeitige Begünſti- 
gung der vorherrſchenden Richtung zu erblien geneigt find. Wenn es 
aber richtig iſt, daß die große Mehrzahl der gebildeten Menſchen von 
dieſer Einſeivbigkeit ſich nicht über einen gewiſſen Grad hinaus zu emanzi1- 
pieren vermag, ſo wird es auch nicht angehen, die intenſive, in der einen 
Richtung vor ſich gehende Thätigkeit, mit der die zu diejer Richtung 
neigenden jungen Leute ſich zum Zwe ihrer Durchbildung beſchäftigen, 
den nach der anderen Richtung beanlagten Schülern zuzumuten, die damit 
lediglich ein äußerlich mitgeteiltes, innerlich nicht verarbeitetes Wiſſens8- 
quantum in fich aufzunehmen gezwungen werden. Die höhere Schule 
muß doppelter Art ſein, jedes der beiden Obergymnaſien muß ſein eigenes, 
nach der in ihm vertretenen Geiſtesrichtung zu beſtimmendes Zentrum 
beſigen, ein Fach, an welchem die Fähigkeit des Schülers zu eigener 
geiſtiger Thätigkeit in einer ſeiner Geiſtesreife entſprechenden, durch äußere 
Schwierigkeiten nicht behinderten Art fortwährend geübt und geſteigert 
werden kann. Um dieſes Hauptfach würde ſich dann eine Reihe von 
DiSsziplinen gruppieren, die ihre Funktion als Schutzmittel gegen die aus 
der Beſchäftigung mit jenem Einzelfach zu beforgenden Einſeitigkeit 
um jo beſſer erfüllen können, wenn ſie dem durch dieſe Beſchäftigung 
Pädagogiſches Ar<hiv, Band XX1X (4,) 1887, 17
	        

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