Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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keine tieferen Empfindungen berühren, aber durch die Anmut ihrer Form 
das Intereſſe de8 Schüler8 feſſeln und bei der epigrammatiſchen Ge- 
ſtalt, in dex der poetiſche Gedanke ſich vielfach äußert, erfahrung8mäßig 
fich auf lange Dauer dem Gedächtnis einprägen. 
Die Vorſchläge de8 Verfaſſer8 ergeben gegen das Gymnaſium eine 
erhebliche Herabminderung der Stundenzahl (um 4 Stunden per Woche 
und Klaſſe) für den altſprachlichen Unterricht, während zugleich der 
Charakter dieſes Unterrichts als eines Mittels zum Zwecke deutlicher 
al38 biöher hervortritt. Dennoch iſt zu beſorgen, daß derſelbe eine über 
den gewollten Zwe> hinausgehende Verſenkung in die erſtorbene antike 
Welt ganz von ſelber hervorrufen und begünſtigen wird. Dieſer Gefahr 
gegenüber beſteht für das humaniſtiſche Ober = Gymnaſium die Pflicht, 
alle Anknüpfung8punkte mit dem Fortgange unſerer modernen Kultur 
ſeſtzuhalten und zu pflegen. Dazu gehört außer dem Unterricht in ge- 
wiſſen gleich nachher zu erwähnenden Fächern vor allem auch, daß der 
Schüler mit den wichtigſten neueren Kulturſprachen bekannt gemacht 
werde; dieſer neuſprachliche Unterricht würde zugleich eine paſſende Er- 
gänzung für den die Bildung des Sprachgefühls bezweenden Betrieb 
des Griechiſchen abgeben. Aus der Rückſicht auf das vom Schüler zu 
bewältigende Arbeit8maß ergibt ſich dabei die Notwendigkeit einer gewiſſen 
Beſchränkung, bei der indeſſen eine für uns Deutſche ſo wichtige Kultur- 
jprache wie das Engliſche nicht ausgeſchloſſen werden dürfte. Der Ver- 
faſſer wünſcht demnach die Pflege des vom Unter-Gymnaſium herüber- 
gebrachten Wiſſens im Franzöſiſchen und eine angemeſſene Einführung 
in das Engliſche, wodurch der Schüler jedenfalls in den Stand geſeßt 
werden müßte, Originalwerke in beiden Sprachen mit Leichtigkeit zu 
lejen, während er von der Litteratur beider Völker genügende Kenntnis 
erhielte, um zu eigener weiterer Vervollſtändigung derſelben angeregt zu 
werden. 
Neben den fremdſprachlichen Fächern ſtände ſelbſtverſtändlich der 
Unterricht im Deutſchen, der Geſchichte und Geographie, der unter Be- 
rüdſichtigung der oben (Nr. 3) näher dargelegten Prinzipien die Be=- 
feſtigung, Erweiterung und Vertiefung der vom Unter-Gymnaſium mit- 
gebrachten Bildung zur Aufgabe haben würde, = hierzu käme endlich 
ein dem Anſtalt8charakter angepaßter Unterricht in Mathematik und 
Phyſik. Der phyſikaliſch-hemiſche Kurſus de8 Unter-Gymnaſium8, den 
der Zögling des Ober-Gymnaſiums ja abſolviert haben müßte, hätte 
nach des Verſaſſer8 Anſicht denſelben mit den wichtigſten für die allge-
	        

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